Einträge vom Februar 2007 ↓

Paintball und die Menschenwürde

Na, da wird sich der liebe Beckstein in seinen Allerwertesten beißen, wenn er das vom lawblog zitierte Gerichtsurteil liest, denn in diesem sagt das Gericht, daß Gotcha bzw Paintball die Menschenwürde nicht verletzt. In dem vor zwei Wochen vorgestellten Gesetzentwurf fordert Bayern Nicht-virtuelle Spiele, „die geeignet sind, die Mitspieler in ihrer Menschenwürde herabzusetzen, indem ihre Tötung oder Verletzung unter Einsatz von Schusswaffen oder diesen nachgebildeten Gegenständen als Haupt- oder Nebeninhalt simuliert wird“ zu einer Ordnungswidrigkeit zu erklären und somit zu verbieten. Naja, und wenn Gotcha nicht die Menschenwürde verletzt, betrifft das Gesetz Gotcha eben nicht.
Pech gehabt Beckstein und wenn erstmal dein Bundestrojaner gekippt ist, wirds wohl auch nix mehr werden mit dem Ministerpräsidentenjob in Bayern.

Klimaschutz

Der Klimaschutz ist zur Zeit in aller Munde. Sei es im Zusammenhang mit mit der Kfz-Steuer, der deutschen EU-Ratspräsidentschaft oder einer Veränderung der Erbschaftsteuer. Eine ganz neue Idee kommt jetzt aus Australien, wo ab 2010 Glühbirnen verboten werden sollen, da Energiesparlampen bis zu 80% weniger Strom verbrauchen.

Überwachungsstaat Ahoi!

Kai Raven hat sich mal die Mühe gemacht und den Gesetzesentwurf für die Vorratsdatenspeicherung und die entsprechenden Texte der EU durchgearbeitet. Er ist darauf gestoßen, daß, falls der Gesetzesentwurf so durchgeht, nicht nur wie von mir skizziert der Absender, Empfänger, die Uhrzeit und IP-Adresse bei dem Versand jedes einzelnen eMails gespeichert werden müssen, sondern auch eine eindeutig einem Nutzer zuordenbare ID. Diese ID müsste, um eindeutig zu sein, mit dem Namen und der Anschrift des Nutzers verknüpft sein. Somit wäre der anonyme Versand von eMails nicht mehr möglich, da nur von geeigneter Stelle die ID abgefragt werden müsste.
Man könnte nun damit argumentieren, daß man damit Terroristen schnappen könnte. Aber, ach nein, das geht ja nicht, weil der Terrorist bei dem Selbstmordanschlag schon verblichen ist.
Aber doch sicher das organisierte Verbrechen! Hach, wenn, ja, wenn da nicht das Problem wäre, daß man erstmal wissen müsste wessen ID dem organisierten Verbrechen zuzuordnen wäre.
Aber, aber, … . Genau! Schnappen könnte man damit jemanden wenn:

  • Man ein eMail mit bösem Inhalt hat und den Absender sucht. Hach, nein, das eMail hab ich ja auf einem Rechner gefunden, der mit dem Bundestrojaner infiziert war. Jetzt ist der ganze Schund nicht mehr beweiskräftig :-(
  • Man untersuchen will, wem jemand bestimmtes ein eMail schickt. Ich frage nun bei allen eMail Providern nach, ob dort dieser jenige welcher registriert ist, lasse mir seine ID geben und filtere nun alle eMails von dieser ID aus. Den Inhalt des eMail weiß ich zwar noch immer nicht (Verschlüsselung…), aber ich weiß mit wem er Kontakt hat. Wen ausser dem politischen Gegner kenne ich so gut, daß mich interessiert wem er eMails schickt?

Und abgesehen davon, es ist ja nicht verboten, sich bei hotmail nen Account zu holen. Die sind nämlich keine Europäer und brauchen daher keine IDs vergeben. Und ich glaube auch kaum, daß Saudi-Arabische Terroristen einen Europäischen eMail-Provider nutzen, um Anschläge vorzubereiten. Und somit fange ich mal wieder nur die DAUs.
Höre ich da gerade eine Katze sich in den Schwanz beissen? Nein, es sind der Schäuble und der Beckstein, die bemerken, daß ein Polizist der Linkspartei mal so eben die eMails mit ihren IDs ausfiltert…

14 Milliarden SMS in 8 Tagen

Laut heute.de werden in China in den 8-tägigen Neujahrsferien 14 Milliarden verschickte SMS erwartet. Das sind rund 30 SMS je Mobilfunkkunde.

In Deutschland wurden von Weihnachten 2006 bis Neujahr 2007 über Vodafone rund 150 Millionen SMS verschickt, was bei rund 30,4 Millionen Nutzern nicht einmal 5 SMS je Nutzer ergibt.

Wenn man sich die Mobilfunkkundenzahl der 4 Betreiber (T-Mobile 31,4 Millionen, Vodafone 30,4 Millionen, e-plus 12,7 Millionen, O2 10,7 Millionen) addiert, kommt man auf 85,2 Millionen Mobilfunkkunden. Mobilfunkkunde ist jeder, der einen laufender Post-Paid-Vertrag oder eine Pre-Paid-Karte besitzt, die in den letzten 6 Monaten aufgeladen worden ist. Pre-Paid-Karten, die ein halbes Jahr nicht aufgeladen werden, werden von den Providern aus der Statistik gestrichen.
Bei einer Einwohnerzahl von 82,4 Millionen (Stand 2005) bedeutet das, daß selbst für jedes Baby schon ein Handy verkauft wurde. Und anscheinend der ein oder andere mit Zwillingen gerechnet hat. Wenn man davon ausgeht, daß Kinder unter 6 Jahren noch kein Handy und nur die Hälfte der über 65 Jährigen ein selbiges besitzt, kämen auf die verbleibenden 70,1 Millionen Deutschen 1,2 Mobilfunkverträge (Handy, Mobilfunkverträge und Mobilfunkkunde verwende ich hierbei als Synonyme).

Somit lassen sich je Person, die ein Handy hat die SMS Zahl auf 6 hochrechnen. Immer noch nur 1/5 der SMS-Zahl der Chinesen. Man könnte nun argumentieren, daß die Chinesen mehr Freunde haben, denen sie schreiben oder einfach beim Schreiben mehr Spaß haben. Ich persönlich tippe eher darauf, daß es an der UNICODE-Kodierung der chinesischen Schriftzeichen liegt. Je SMS werden 1120 Bits übertragen. Bei der in Deutschland verwendeten 7-Bit Kodierung kann man 160 Text-Zeichen mit den 1120 Bits kodieren, bei der in China verwendeten 16-Bit Unicode Kodierung kommt man nur auf 70 Zeichen je SMS…

Zum Wochenausklang

Und schon wieder ist eine Woche rum. Unglaublich wie schnell die Zeit verrinnt, ich müsste sie wirklich irgendwie festhalten können um all das zu erledigen, was ich erledigen will.

Einige von euch werden sicher so richtige Faschingsfreunde/Karnevalisten sein. Ich kann damit nichts anfangen, darum ganz entgegen des Üblichen Frohsinns etwas Besinnliches:

Andy McKee mit „Drifting„.

Und am Piano mein Lieblingsmusiker Billy Joel mit „Lullabye„:

Leider tut sich in dem Video rein garnichts, aber in der Sony Musicbox, die die Videos in guter Quali hat, kann ich nicht direkt auf einen bestimmten Song verlinken. Schaut mal rein, viel schönes gibts da.

Glatzenalarm!!!

Britney Spears schießt gerade bei Technorati auf Richtung Platz Eins der Top Searches Liste.
Aber warum das?
Laut Medienberichten und Technoratis wtf Einträgen scheint sich blond Britney ihrer Haarpracht entledigt zu haben. Ein weiblicher Popstar mit Glatze, das haben wir seit Sinead O’Connor nicht mehr gesehen.

Fotos gibts hier: Gossip Rag
Nen Tv Bericht hier: ABC oder auf Youtube

Im Fußball würde man es schönreden nennen, was mit dem Bundestrojaner geschieht

Da ist es wieder, diese unscheinbare und ungefährlich klingende Wort „Online-Durchsuchung“.
Online-Durchsuchung, das klingt unverdächtig, ungefährlich und vor allem sauber. Sehr sehr sauber. Wenn die Amerikaner einen Krieg führen, bei dem sie das Ziel erst wochenlang per „Shock and Awe“ bombardieren und dies alles aus der Sicherheit der Luftüberlegenheit tun, man sich von Generälen Videos der Treffsicherheit vorführen lassen kann und keine Opfer zu sehen sind, dann ist schnell der Vergleich mit Computerspielen zu Hand und man sagt, Amerika führte den „Krieg als Computerspiel„. Man nennt das gerne auch den „sauberen Krieg„, vor allem, da durch die Zielsicherheit der Waffen die Zahl der zivilen Opfer gering sein soll.
Nun, Todesopfer wird der Bundestrojaner vermutlich nicht fordern, zumindest nicht direkt. Man möchte sich garnicht ausmalen, was geschieht, wenn die Ermittlungsbehörden den falschen Computer mit dem Bundestrojaner anzapfen und dann aufgrund des Ermittlungsdrucks die Beweise herbeiführen, die sie brauchen…
Nachdem die Üblichen Verdächtigen, also der wahlkampfbetreibenden Beckstein, das Attentatsopfer Schäuble und die ausführenden Ermittlungsbehörden durch BKA-Chef Ziercke eindringlich für den Bundestrojaner geworben haben, steigt nun auch noch die Judikative in Form der Generalbundesanwältin Monika Harms (Quelle: Die Welt) mit ins flauschige Lotterbett. Da ist sie nun vereint, die Legislative, die Exekutive und die Judikative. Aus allen Teilen der Gewaltenteilung kommt also der Ruf nach der „Online-Durchsuchung“. In den letzten Tagen habe ich meine Meinung zu dem Thema dargelegt, bin mir aber nicht sicher, ob meine Gründe klar genug wurden. Darum nochmal im Detail:

Ich bin gegen den Bundestrojaner, weil:

  • er eine immense Gefahr birgt, Beweise echter Straftaten unverwendbar zu machen (Siehe Telepolois)
  • er gegen bestehende Gesetze verstößt (Siehe Wikipedia)
  • er die gleichen Probleme mit dem Grundgesetz wie der große Lauschangriff bezüglich der Menschenwürde bekommen wird und somit den selben Auflagen bezüglich der Privatsphäre der „Untersuchten“ (bzw Auspionierten oder abgehörten) unterliegen muß
  • er wie eine Hausdurchsuchung im virtuellen Raum funktioniert, aber entgegen der Hausdurchsuchung, wie der große Lauschangriff, unbemerkt durch das Opfers abläuft
  • er echte von untergeschobenen Beweisen, im Gegensatz zur Hausdurchsuchung, nicht unterscheiden kann. Bei der Hausdurchsuchung kann man evtl durch Fingerabdrücke oder DNA-Nachweise seine Unschuld beweisen, Online nicht
  • er leicht unterlaufen werden kann (zB absichtliche Infizierung des Opfers von sich selbst mit echten Trojanern als Ausrede, Benutzung sicherer Betriebssysteme, Benutzung öffentlicher Computer)
  • er sehr leicht gegen Unschuldige verwendet werden kann (zB gegen Journalisten, Anwälte, Ärzte, Politiker unliebsamer Parteien)
  • er evtl aus versehen gegen Bürger fremder Staaten verwendet werden kann mit entsprechenden Diplomatischen Verwicklungen
  • er Computer immuner Persönlichkeiten wie Diplomaten oder Politikern nicht von „normalen“ Computern unterscheiden kann
  • nicht einmal theoretisch der Nachweis erbracht worden ist, daß man mit ihm Verbrechen verhindern kann. Schließlich muß man die Zielperson extrem genau bestimmen können, um den Bundestrojaner auf dem Computer der Zielperson unter zu bringen. Bei bisher keinem der Anschläge oder Anschlagsversuche der letzten Jahre wäre dies der Fall gewesen (evtl beim geplanten Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Straßburg 2000, der aber auch ohne den Bundestrojaner erfolgreich verhindert werden konnte)

Somit stellt sich ernsthaft die Frage, welche Zielgruppe der Bundestrojaner vor den Kadi ziehen soll. Terroristen sind es nicht, da man sie ohnehin nicht kennt und somit keinen Trojaner bei ihnen platzieren könnte. Und selbst wenn man die Terroristen ausmachen könnte, würden diese sich per Betriebssystemwechsel oder mit den üblichen Vorsichtsmaßnahmen dagegen schützen. Die organisierte Kriminalität kann man aus den selben Gründen weitestgehend ausschließen. Somit verbleiben Gelegenheitsverbrecher oder gewöhnliche Bürger. Beide Gruppen sind angeblich keine Zielgruppen für den Bundestrojaner.

Wofür braucht man das Ding also???

Und warum sollte man die dafür weitgehenden, notwendigen Gesetzesveränderungen mit den einhergehenden Datenschutzeinschränkungen auf sich nehmen? Ausser man betreibt gerade Wahlkampf, möchte sowieso Touristenflieger abschießen können oder würde seiner Behörde weitere Machtbefugnisse zukommen lassen.

Einen guten Kommentar dazu gibt es von der SZ via lawblog