Defibrillator – Ein muss für jedermann?

Beim Lebensmitteldiscounter Plus gibt es ab morgen einen Defibrillator für schlappe 999 Euro und 95 Cent. Boje wirft nun die Frage auf, ob nicht an jedem öffentlichen Ort mit Publikumsverkehr ein Defi vorhanden sein sollte. Ich bin da anderer Meinung.

Der Defi hat nur eine Aufgabe und zwar soll er dafür sorgen, dass das Herz aufhört zu schlagen. Deshalb haben wir im Rettungsdienst auch gesagt, wir hätten einen Patienten „geschossen“, wenn wir ihn mit dem Defi behandelt hatten. Ich kann mich an nur zwei (2 !!) Einsätze in den 12 Monaten, in denen ich im Rettungsdienst 40 Stunden pro Woche auf einem Rettungswagen meinen Zivildienst abgeleitet habe, erinnern, bei denen wir den Defi eingesetzt haben. Der Defi ist also nicht in jedem Fall angebracht, bei dem ein Mensch zusammenbricht. Auch sind die Symptome und Einsatzhäufigkeiten, bei denen in Fernsehserien wie Baywatch oder ER der Defi eingesetzt wird nicht unbedingt realistisch.

Zum Zweck des Defis: Das Herz wird durch einen Erregungsleiter per elektrische Impulse zum Schlagen angeregt. Wenn nun das Herz bzw der Erregungsleiter aus dem Takt gerät und in ein sogenanntes „Kammerflimmern“ verfällt, dann kann man mit dem Defi dafür sorgen, dass System „resettet“ wird, der Erregungsleiter neu „bootet“ und das System wieder im Takt arbeitet (Eine medizinsch korrektere Beschreibung gibt Wiki). Je nach Erkrankung kann das dazu führen, dass der Patient wieder stabil ist oder aber, dass das Spiel von vorne beginnt.

Meiner Meinung nach sind Defis eine nette Geschichte für Leute, deren Herz gefährdet ist. Ich würde aber die 1000 Euro lieber in eine Auffrischung des Erste-Hilfe-Kurses der Mitarbeiter der öffentlichen Einrichtung stecken, als in einen Defi. Bei einem Erste-Hilfe-Kurs werden nämlich Verhaltensweisen gelehrt, mit denen man viel häufiger Leben retten kann, als mit einem Gerät, das nur in sehr begrenzten Fällen einsetzbar ist.

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8 Kommentare ↓

#1 Boje am 23.04.07 um 11:39

Studien belegen das Gegenteil. Eine frühzeitige Defibrillation bedeutet eine deutliche Chancensteigerung auf ein gesundes Leben danach.
Außerdem lassen sich diese Defis nicht mit den professionellen Geräten vergleichen, da es sich um Vollautomaten handelt. Schocks werden also nur dann abgegeben, wenn es notwendig ist. Die Bedienung ist sehr einfach – eben für Laien.

Wir sind im Alltag von Sicherheitssystemen umgeben, das fängt beim ABS im Auto an und geht bis zum Feuerlöscher und Brandmeldeanlage auf der Arbeit. Wie oft kommen denn die zum Einsatz?

Apropo begrenzte Fälle: Es sind doch mehr als Du denkst. Wenn ich an meine Zeit beim Rettungsdienst zurückdenke, dann sind es auch wenige. Wenn ich an meinen Arbeitsplatz auf der Intensivstation denke, dann kann ich sagen, daß fast immer mindestens eine Person dort liegt, die betroffen war/ist.

#2 torschtl am 23.04.07 um 12:50

Wir in der Wasserwacht haben einen sog. Frühdefi. Dieser steuert den Anwender per Sprachsteurung durch das ganze Prozedere… ich wage zu behaupten, dass jedes Kind ab 12 Jahren mit diesem Gerät einen Menschen wiederbeleben kann (sofern es die Herzdruckmassage beherrscht). Dieses Teil rettet Leben und da es auch nur funktioniert, wenn es ein Kammerflimmern erkennt, kann man damit auch keinen Schaden anrichten…(Name: LifePak)

#3 Marnem am 23.04.07 um 12:57

Sicher hast Du recht, schaden kann es nicht, nen Defi bereit zu haben.
Wieviele Notfälle gibt es aber in einem durchschnittlichen Supermarkt oder Kaufhaus pro Jahr? Und in wievielen Fälle würde ein Defi helfen und in wievielen eine gut ausgebildete Mannschaft an Mitarbeitern?
Ich sag ja garnicht, dass ein Defi etwas schlechtes ist, befürchte aber, dass der mehr Menschen an den Folgen von einer mangelnden/fehlenden Herz-Lungen-Wiederbelebung leiden, als an den Folgen von Kammerflimmern.

#4 torschtl am 23.04.07 um 14:40

stimm ich dir voll und ganz zu :)

#5 Starkiller am 23.04.07 um 15:27

ich stell mir da auch gerade vor, das da in einem Kaufhaus dann auf einmal jede Oma die an einem Schwächeanfall leidet auf einmal gebrazt wird.

Wenn die Geräte wirklich nur gehen wenn sie auch gebraucht werden, gut so!

#6 Zivi am 26.04.07 um 19:57

1000? für so ein Gerät und dann noch im Supermarkt kaufen. Schade das bei uns in der Umgebung sowas nicht in den Prospekten drin ist. Würde mich doch mal interessieren wie damit geworben wird.

#7 Marnem am 26.04.07 um 20:05

Das ist ein sogenanntes „Online-Special“, d.h. es ist nur im Plus-Online-Shop zu bekommen.

#8 Bodo am 24.05.07 um 08:13

Ich kann nur aus meiner Erfahrung als Rettungsdienstler sagen. Leute hängt die Jedermanndefis gut sichtbar auf, so daS jeder die Möglichkeit hat damit zu retten. Wie schon in den Vorkommentaren ewähnt kann man mit den Geräten keinen Fehler machen. Außerdem gehört z.B. bei unserem Kreisverband die Einweisung des Defi zu einem EH-Kurs dazu.
Und eine vergessene Herzmassage kann es auch nicht geben, weil das Gerät erinnert dich sogar noch daran, eine durchzuführen. Es geleitet den Ersthelfer durch die ganze Notfallsituation. nd zu der Frage wie oft in einem Supermarkt jemand einen Defi braucht, kann ich nur sagen. Wenn nur einer in 10 Jahren einen braucht und somit rchtzeitig von einem Laienhelfer gerettet werden kann, dann hat sich das anbringen eines Defi gelohnt.

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