„Alles hat zwei Seiten, warum gehst Du immer vom Schlimmsten aus?“

Das hat mich Steffi heute gefragt, als ich mal wieder über das Thema „Innere Sicherheit“ mit ihr gestritten habe. Ich sage euch, es ist hart, eine zukünftige Beamtin mit der entsprechenden Einstellung als Partnerin zu haben.

Gestritten haben wir über den Inhalt eines Videos, dass man bei Sevenload findet:

Link: sevenload.com
via Thomas Knüwer
In dem Video beschreibt Jimbo Wales, der Gründer der Wikipedia, zwei konträre Blickwinkel auf die Gesellschaft mittels einer Metapher:
Man stelle sich vor, man wolle ein Restaurant betreiben und plane es von Grund auf neu. Man nehme weiter an, man wolle Steaks servieren. Daraus ergibt sich, dass die Gäste Zugang zu Messern haben müssen und wenn Menschen Messer in den Händen haben, kann es sein, dass sie damit andere Menschen erdolchen. Nun könnte man jeden Gast in eine Käfig setzen, um dies zu verhindern. Oder man geht einfach davon aus, dass nicht immer gleich das schlimmst passiert.

Diese Metapher beschreibt ganz gut, in welcher Zwickmühle jeder Innenminister steckt, denn wenn er für absolute Sicherheit sorgt, dann setzt er uns in einen Käfig. Tut er dies aber nicht und ein Verbrechen passiert, dann ist er dran, weil er es Verhindern hätte müssen.

Genau hier setzen meine Streitereien mit Steffi immer an:

  • Ich gehe immer davon aus, dass die ganzen Ideen der Innenminister überflüssig sind, da der Zugewinn an Sicherheit in keinem Verhältnis zur Einschränkung der Freiheit steht und sehe oft genug sogar die Gefahr, dass das Menschenbild, von dem die Ideen ausgehen, Verfassungsfeindlich sind. Ich glaube also daran, dass die Bürger und Besucher Deutschlands nicht so böse und gefährlich sind, wie die Minister sie darstellen, gehe aber davon aus, dass die Freiheitseinschränkungen von der Exekutive im schlimmsten Maße ausgenutzt werden.
  • Steffi und die Innenminister hingegen verlassen sich hingegen darauf, dass die ganzen Beamten schon nichts böses treiben und sich nicht nur an den Buchstaben des Gesetzes, sondern sogar an die Intention der Gesetzgeber halten. Die Freiheitseinschränkungen hingegen seien ja im Vergleich zum Sicherheitsgewinn vernachlässigbar.

Erkennt ihr das Dilemma? Beide Seiten gehen davon aus, das bestimmte Bevölkerungsgruppen besser als ihr Ruf, andere hingegen schlechter sind. Beide Seiten sehen sich also bedroht vom jeweils anderen.

Mir gibt das ziemlich zu denken.
Wir sind das Volk!
Wir alle, ob Beamter, Minister, Arbeitsloser, Arbeitender, Schüler oder Studenten.

Warum arbeiten wir eigentlich so sehr gegeneinander?
Warum sieht der Staat in Form mancher Volksvertreter in uns potentielle Gefährder?
Warum sehen wir in Teilen der Legislative und der Exekutive potentielle Gefährder?

Und warum, verflixt noch mal, wollen wir alle nur Überwachen? Die eine Seite die Bürger, die andere fordert vom Staat mehr Transparenz, um ihn besser überwachen bzw überprüfen zu können.
Wie konnte es nur dazu kommen, das wir dem Staat und er uns nicht traut?
Denn eigentlich sollten wir das doch tun, schließlich sind wir nicht nur das Volk, sondern auch der Staat!

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5 Kommentare ↓

#1 Starkiller am 27.05.07 um 00:06

Das wir der Staat sind, oder sogar das der Staat regelmäßig in unserem Interesse handelt, bin ich eher geneigt als frommen Wunsch abzustempeln.

Aber ich finde eure Diskussion wichtig und produktiv. Lasst es uns wissen falls ihr da auf einen gemeinsamen Nenner kommt, ich tue mich nämlich sehr schwer damit wenn ich meinen Unmut gegen den aktuell heranwachsenden Überwachungsstaat ausdrücke und als Reaktion darauf dann die Frage bekomme ob ich also Terrorismus und Kinderpornographie befürworten würde.

#2 Steffi am 27.05.07 um 00:26

Ich fürchte, bei dem Thema ist es genauso unmöglich auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen, wie bei unserer Diskussion zum Thema „Lassen wir unsere Kinder taufen?“. Mir wäre es wichtig, er ist strikt dagegen. :-(

#3 Erik am 28.05.07 um 22:23

Ihr habt ja krasse Themen drauf. Ich persönlich stehe eher auf der Seite von Marhem. Klar kann man sich auf die Beamten verlassen. Leider ist es aber so, dass jede erlassene Gesetz und alle erhobenen Daten auch ein Missbrauchspotential ins sich bergen, was natürlich auch ausgenutzt wird. Wenn Gesetze und Daten vorhanden sind, werden sie natürlich auch genutzt. Ansonsten wäre der Staatsanwalt oder die Ermittler auch schön blöd.

@Steffi: Wo wäre denn deine persönliche Grenze von Freiheit? Du möchtest ja auch bestimmt nicht alles mit dir machen lassen. B-)

Das mit der Taufe ist ganz einfach: Wenn die Kinder alt genug sind, können sie selber entscheiden, ob sie getauft werden möchten. :-)

#4 Marnem am 28.05.07 um 23:42

Meine Eltern sind beim Thema Taufe genau so vorgegangen. Die Folge: 2 von 3 Kindern sind Atheisten, der dritte hat zwar Taufe, Komminion und Firmung mitgemacht, aber geht auch nur zu Hochzeiten und Beerdigungen in die Kirche…
Alle drei waren wir aber auf einem katholischen Gymnasium (ich zwar nur drei Jahre, geprägt hat es mich trotzdem in vielerlei Hinsicht), das ich als katholische Kaderschmiede bezeichnen würde. Eine qualitativ sehr hochwertige Kaderschmiede. Ich habe diese Schule geliebt.

Das Konzept Religion hat sich imho bei selbstbewussten Menschen überlebt, aber das ist ein dickes Brett, dass ich um diese Uhrzeit besser nicht zu bohren beginne…

#5 Steffi am 29.05.07 um 08:05

Hm, das mit der Grenze von Freiheit ist eine gute Frage. Ich glaube meine Grenze ist dann erreicht, wenn ich nicht mehr ich selbst sein kann. Wenn ich nicht mehr da hin gehen kann wo ich will und nicht mehr das machen kann was ich will (wenn ich frei habe aufstehen wann ich will, essen was ich will, dann Musik hören, wenn ich Lust dazu habe, …)

Ich habe kein Problem damit, wenn aufgezeichnet wird, wann ich wo auf der Autobahn entlang fahre, wenn dafür ein Raser mehr geschnappt wird und ich hab kein Problem damit, wenn ich in der Münchner Fußgängerzone beim am Po kratzen 😉 gefilmt werde, wenn dafür ein Kinderschänder oder Vergewaltiger auch gefilmt wird.

Dass das Ganze auch ausgenützt werden KANN ist klar, aber vielleicht bin ich da einfach ein bissl zu naiv und glaube daran, dass es mehr Gutes als Schlechtes bewirken kann. :-)

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