Facebook – Vom Social Network zum Single-Sign-On-System?

Facebook, US-Amerikanisches Vorbild von StudiVZ, war ursprünglich ein Social Network. Aktuelle, zukünftige und ehemalige Studenten meldeten sich bei Facebook an um Freundeslisten anzulegen und so mit diesen in Kontakt zu bleiben. In ihrem Profil konnten sie über sich erzählen, Bilder hochladen und ähnlichen Krams.
Meiner Meinung nach ziemlich unsexy, erinnert mich an einen Mix aus Geocities, Telefonbuch und Blog, alles jeweils in der Version für DAUs. Wobei ich nicht sagen will, dass die Facebook-Nutzer DAUs sind, aber das System ist so simpel gestrickt, dass auch DAUs zu annehmbaren Ergebnissen kommen.

Facebook hat aber riesigen Erfolg, einen so großen, dass es sogar erfolgreiche Clones gibt, zB das unsägliche StudiVZ.
Vor vier Wochen hat Facebook F8 vorgestellt, eine Schnittstelle über die externe Software in Facebook integriert werden kann. So kann ein Unternehmen zB einen Last.fm ähnlichen Musik-Vorschlage-Dienst entwickeln und in Facebook integrieren. Die dabei generierten Werbeeinnahmen werden von Facebook an das Unternehmen weitergereicht. Nutzt nun ein Facebook-User einen solchen Dienst, dann werden alle Leute aus seiner Freundesliste darüber informiert. Somit wird eine Art virales Marketing erreicht.

Der Witz bei der Geschichte ist nun folgender: Facebook verwaltet die Nutzerdaten von 30 Millionen Nutzern und ermöglicht es externen Unternehmen mit F8 direkt an diese Nutzer heranzutreten. Da die Nutzer bei Facebook registriert sind, können sie diese Services ohne weitere Anmeldung nutzen, da Facebook die nötigen Daten an das externe Unternehmen weiterleitet, bzw den User gegenüber den Unternehmen authentifiziert.

Da klingelt doch was, das hört sich nach der schon alt bekannten, aber nie wirklich erfolgreichen Idee des Single-Sign-On-Systems(SSO-Systeme) an: Der Nutzer registriert sich einmalig bei dem zentralen Dienst und dieser reicht ggf die Nutzerdaten an andere Webseiten weiter, so dass der Nutzer sich dort nicht mehr zusätzlich anmelden muss. Schon seit sieben Jahren spielt Microsoft vergeblich mit der Idee rum(Passport bzw Windows LiveID), AOL, SUN und andere versuchten sich mit der „Liberty Alliance“ und auch im OpenSource Lager gibt es mit OpenID einen ähnlich erfolglosen Vertreter dieser Idee.

Warum sind alles diese Konzepte bisher mehr oder weniger groß gescheitert?
Weil sie jeweils keine kritische Nutzeranzahl (weder auf Unternehmens-, noch auf Konsumentenseite) zustande brachten. Desweiteren waren alle SSO-Systeme von mehr oder weniger vertrauensunwürdigen Institutionen gestartet worden.
Bei Facebook ist das nun anders. Die bei Facebook angemeldeten Nutzer nutzten Facebook schon vor dem SSO-System und nutzen dies nun nebenbei mit. 30 Millionen Nutzer sind außerdem eine sehr große Nutzerzahl und alleine schon durch ihre Anmeldung bei Facebook zeigen sie eine gewissen Affinität, sich über Datenschutz keine Gedanken zu machen. Das virale Marketingkonzept via Freundesliste kommt noch verstärkend hinzu.
Angeblich wurden 65 Millionen Webanwendungen in Facebook-Nutzerprofilen eingebunden, fast 2,5 je angemeldetem Nutzer und das in nur vier Wochen. Eine enorme Zahl, va wenn man sich ansieht, dass Anwendungen wie „TopFriends“ 7 Millionen bekamen, 7 Millionen mehr, als sie vor vier Wochen besaßen! iLike, der bereits erwähnte Musik-Vorschlage-Service hatte vor F8 300.000 Nutzer über die eigene Webseite und gewann über 4 Millionen neue Nutzer in den vier Wochen F8 hinzu. Kein Wunder, dass Robert bei solchen Zahlen ein feuchtes Höschen bekommt (Wow, 11 Artikel über Facebooks F8 in 33 Tagen…).

Für externe Unternehmen ist Facebook erstmal natürlich unheimlich interessant, denn wo sonst besteht die Möglichkeit so problemlos auf eine solche Nutzerbasis zugreifen zu können? Ich sehe hier aber drei größere Unwägbarkeiten:

  • Momentan ist F8 noch frisch und das Angebot an Applicationen noch halbwegs überschaubar. Wie aber sieht das in ein paar Wochen aus, wenn mehr und mehr Firmen in F8 drängen? Wann ist der Overkill erreicht, bei dem die Nutzer vor lauter „X benutzt jetzt Applikation A“ ihre eigentlichen Nachrichten nicht mehr finden?
  • Wie lange wird es dauern, bis Facebook eine Gebühr für die Benutzung von F8 verlangen wird? Ich glaube den Worten des Facebook Gründers Mark Zuckerberg über die Kostenfreiheit von F8 nicht, spätestens wenn Facebook gekauft wird, ist es damit vorbei.
  • Was hindert Facebook daran, erfolgreiche Dienste einfach zu kopieren? Facebook verfügt über die Userdaten, weiß also welcher User welchen Dienst nutzt. Ist der externe Dienst erstmal aus F8 gekickt, so hat er nichts mehr, denn er weiß nicht einmal, wie seine Nutzer hießen…

Die Zukunft wird zeigen, wo der Weg hinführt, ich aber würde es mir sehr, sehr lange überlegen einen Dienst, der über ein paar Tage Entwicklungszeit hinausgeht, über F8 anzubieten.

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5 Kommentare ↓

#1 Starkiller am 28.06.07 um 03:22

ziemlich scary was da abläuft, ich würde nichtmal in einem Alptraum auf die Idee kommen, einer Firma meine Daten zu geben, wenn diese Firma meine Daten an jeden verkauftweiter gibt der sie haben will.

So wie du Facebook im ersten Abschnitt erklärt hast, hat es mich übrigens stark an Stayfriends erinnert.

#2 Marnem am 28.06.07 um 11:37

Irgendwie alles der gleiche Käse, diese Social Networks.

Was mir an den Dingern Angst macht ist, dass sie so einfach maschinell erfassbar sind. Mein Blog enthält wohl mehr persönliche Infos, als die meisten Profile in Social Networks, aber man muss dafür auch erstmal meine Seite finden und dann 300 Artikel lesen, die keine Maschine versteht.

#3 Facebook: Ein eingezäunter Garten « Sprechblase am 29.06.07 um 13:56

[…] Update: Mittlerweile stehe ich nicht ganz alleine mit dieser Meinung da. Die kritischen Stimmen mehren sich: Ralf Graf: Facebook – Das nächste große Ding? Steve Rubel: Walled Gardens and the Lesson for Social Networks Korbinian Schoder: Facebook – Vom Social Network zum Single-Sign-On-System? […]

#4 Katili am 25.08.08 um 02:04

Also das mit dem Singe-Sign-On stimmt nicht so ganz. Zwar hat Facebook Zugriff auf meinen Account bei Delicious oder LastFM – anmelden musste ich mich dort aber trotzdem extra! :)

#5 Kai am 23.02.09 um 12:13

Vor allem der Facebook-Vorstoß von letzter Woche hat gezeigt, wie man dort mit Nutzerdaten eigentlich umzugehen gedenkt. Zwar ist die Änderung der AGB erstmal vom Tisch, aber das Ende solcher Maßnahmen wird das nicht sein. Man wird nun über die Hintertür versuchen, die ungeingeschränkte Nutzung der Daten zu erreichen. Sieht alles ein bisschen mafiosi aus.

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