Malen nach Zahlen – Die Steuer-Identifikationsnummer

Es ist soweit, Halleluja!

Endlich, endlich, endlich. Endlich hat dieses bescheuerte rumgetue mit Wörtern ein Ende. Endlich keine Namen mehr merken, keine Probleme mit der Schreibweise. Einfach digitalisierbar, eindeutig und vor allem Strichcode-tauglich!

„Namen sind Schall und Rauch“, das wusste schon der Geheimrat Johann Wolfgang von Goethe. Genau dieser Wolfgang, der uns auch das Urheberrecht brachte (Quelle) hatte mit diesem Ausspruch mehr über die Zukunft ausgesagt, als er ahnen konnte, denn ab heute beginnt das große Zusammenfassen, das Erheben, Doubletten aussortieren und letztendlich das Nummerieren.

Nur wenig lieben Verwaltungsbeamte mehr als das Nummerieren. Sie nummerieren Formulare, Akten, Vorgänge und ab demnächst auch Menschen.

Von der Wiege bis zur Bahre und sogar darüber hinaus, da gilt die Steuer-Identifikationsnummer. Personalisiert, eindeutig, unveränderlich, 20 Jahre über den Tod hinaus geltend, wird jedem einzelnen von uns Deutschen eine Zahl aufgedrückt. Praktischerweise elf-stellig, damit sie nicht mit einer EAN verwechselt werden kann und trotzdem Strichcode-fähig ist.

Bis gestern Abend hatten die Einwohnermeldeämter Zeit, dem Bundeszentralamt für Steuern ihr Melderegister zu übermitteln. Ab hier ist dann jeder Bürger nur noch eine Nummer. Zu Anfang bekommt jeder nur ein „Bearbeitungsmerkmal“, dann wird aggregiert, Doubletten aussortiert und letztendlich jedem mitgeteilt, auf welche Nummer er in Zukunft zu hören hat.

Offiziell nur für Steuerzwecke wird sicher schon bald dieser andere Wolfgang, der uns auch nur Unheil gebracht hat, seine klammen und steifen langen Finger danach ausstrecken. Aber der will ja nur spielen. Mit unseren Daten. Und darin wühlen. Wundern würde es mich nicht, wenn sich dieser Wolfgang jeden Datensatz einzeln auf eine Münze pressen lässt, nur um darin Baden zu können.

Nun denn, auf auf in die neue Zeit. Die Zeit in der das Grundgesetz nur noch Schall und Rauch und wir alle nichts weiter als eine Nummer sind.

Zur Information liest man:
Identifikationsnummer für alle Bürger kommt ab Juli (heise newsticker)
Steuer-Identifikationsnummer
Lebenslang dieselbe Nummer

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6 Kommentare ↓

#1 Starkiller am 01.07.07 um 02:49

Sehr schöner Artikel, spricht er mir doch so sehr aus der Seele. (Wo ist der Knopf zum Yiggen?)
Wenn ich meine Nummer habe werde ich ganz bestimmt auch eine Seite finden, welche mir diese in einen Strichcode umwandelt, und dann können wir uns alle die Nummer in den Nacken tätowieren lassen. (e.g. as seen in Alien) Verrückt wie die Science Fiction von der Realität eingeholt wird.

Ich hätte mir nur ein paar mehr Informationen darüber gewünscht was dies wirklich bedeutet, wenn bald jede Staatliche Einrichtung auf den selben Datensatz zugreifen kann, wenn wirklich jeder von uns zur Nummer verkommt und vielleicht ein Erklärungsansatz wie solch ein System einfach eingeführt werden kann, das in den 70’er Jahren schon mal abgelehnt wurde, weil es als verfassungswidrig angesehen wurde.

Ich will nicht sagen das mich dies frappierend an das dritte Reich erinnert, damit würde ich mich auf das selbe Niveau herunterlassen von denen die behaupten das wir unsere Grundrechte aufgeben müssen um vor Terroristen geschützt zu sein, aber trotzdem macht es mir Angst was aktuell in diesem und anderen Ländern auf der politischen Ebene passiert.
Und ich bin mir ziemlich sicher das wir noch lange nicht das Ende gesehen haben, der in Blogs gegründete Begriff Stasi 2.0 trifft es eigentlich ziemlich gut.

#2 Erik am 01.07.07 um 19:52

Das chinesische Sprichwort (oder Fluch) mögest du in „interessanten Zeiten leben“ bewahrheitet sich hier gerade.

Ich werde natürlich einen Teufel tun und in einem Blog eine Prognose über die nächsten 10-20 Jahre abgeben :-), aber ich denke, dass die Politiker natürlich irgendwann ihre Fühler nach diesen Daten ausstrecken werden.

#3 Marnem am 01.07.07 um 21:11

Politiker der aktuellen Regierung sind ja nicht unbedingt bekannt dafür, im Internet zu surfen…

@Starkiller
Der Strichcode wird schnell Alltag sein, denn die Steuerunterlagen werden mit Sicherheit damit verschickt werden.
Um ehrlich zu sein, habe ich mich in das Thema noch nicht wirklich eingearbeitet, als dass ich deine Fragen beantworten könnte.
Natürlich habe auch ich mit Vergleichen zum dritten Reich gespielt, stoße dabei aber immer wieder auf die tätowierten Nummern der KZ-Häftlinge. Bei aller Angst vor dem, was da kommen wird, schrecke ich vor einem Vergleich zurück., denn ich befürchte, dass meine unbeholfene Schreibe als Relativierung der Nazis missverstanden werden könnte, denn so schlimm wie im dritten Reich ist es (fürs erste) nicht.

#4 Erik am 03.07.07 um 09:07

Nazi-Vergleiche sind ungefähr so praktisch wie ein heißes Eisen auf dünnem Eis. Das kann sehr schnell nach hinten loslegen. Floskelende.

#5 Marnem am 03.07.07 um 12:48

@Erik
5 Euro in mein Phrasenschwein bitte 😉
Aber genau das ist die Problematik. Der Vergleich zum Personenkennziffersystem des dritten Reichs ist nicht falsch, aber halt kaum vernünftig unangreifbar formulierbar, zumindest von mir.

#6 Starkiller am 03.07.07 um 15:00

Als Mittellösung kann man auch einfach einen Vergleich zum gleichen System der ehemaligen DDR ziehen, das reißt vielleicht nicht ganz so viele Wunden.

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