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Gewerkschaften und der Arbeitsmarkt

Wir leben in einem globalisierten Markt, in dem das sprichwörtliche Umfallen eines Sacks Reis in China Auswirkungen auf den hiesigen Arbeitsmarkt haben kann. Die Zukunft ist nun noch schwerer vorherzusagen und Zusammenhänge vielfach kaum noch nachvollziehbar. Die Geschwindigkeit, mit der sich Dinge ändern ist zT schwindelerregend, schön kann man dies bei den aktuellen Tarifverhandlungen der Lokführergewerkschaft GDL sehen.

Vor zwei Jahren sah der Arbeitsmarkt sehr düster aus. Entlassungen an allen Orten, die Neuwahlen waren noch nicht angekündigt und keder, der einen Job hatte, war froh darum. Dies drückt sich auch im GDL-Tarifvertrag 2005 [1] aus. Die Referenzarbeitszeit wurde um eine Stunde erhöht, zugleich aber die tatsächliche Arbeitszeit beibehalten. Im Ergebnis bedeutete dies eine Lohnsenkung von 2,5%, dafür gab es 50 Euro „monatlichen Einmahlzahlungen“. Für Mitarbeiter, die mehr als 2000 Euro im Monat verdienten, bedeutete dieser Tarifabschluß also eine Gehaltseinbuße, dafür fühlte sich der eigene Arbeitsplatz gesichert an.

Im Jahre 2007 ist der Aufschwung da, die Arbeitslosigkeit fällt und zugleich auch alle Hemmungen der Tarifpartner. 7% mehr Lohn (mindestens aber 150 Euro) fordert die Gewerkschaft [2], die DB bietet:

7% Lohnsteigerung sind eine Menge und meiner Meinung nach zuviel! Ich finde diese reflexhafte Forderung nach mehr Lohn, sobald auch nur ein Silberstreif am Horizont zu sehen ist, typisch und schädlich. Es wäre es deutlich zweckdienlicher, die Bahn aufzufordern mehr Arbeitsplätze zu schaffen und die Fahrpreise zu senken.
Mehr Arbeitsplätze würde eine weitere Senkung der Arbeitslosigkeit und somit zu sinkenden Lohnnebenkosten und dadurch indirekt zu Lohnsteigerungen führen, zusätzlich würden aber mehr Menschen in Lohn und Brot kommen und dadurch der Aufschwung gefestigt.
Durch eine Fahrpreissenkung wäre die Bahn konkurrenzfähiger, was den eigenen Arbeitsplatz sichern helfen würde und außerdem für einen ordentlichen Schluck aus der Tarifpulle bei den nächsten Verhandlungen ermöglichen würde.
Ein Streik hilft hier nicht wirklich weiter. Er sorgt nur dafür, dass Bahnfahrer doch wieder auf das Auto oder Flugzeuge umsteigen und jeder solche Wechsel birgt die Gefahr, dass die Kunden nicht zurück kommen. Bis Anfang des Jahres fuhr Steffi mit dem Zug zur Uni nach Augsburg. Diese Zugstrecke ist nicht unbedingt die schlechteste, im Stundentakt fahren Züge hin und her. Mit der Fahrpreisanhebung zum Jahreswechsel verringerte sich der Preisvorsprung der Bahn deutlich und machte so zusammen mit den 10 Stunden, die Steffi per Bahn gegenüber dem Auto pro Woche unterwegs war, den Wechsel zum Auto sinnvoll.

Auf absehbare Zeit wird die Bahn privatisiert werden. Am Beispiel der Telekom kann man sehen, was dies bedeutet, wenn das Unternehmen nicht Wettbewerbsfähig ist. Zwar wird eine privatisierte Bahn keine solche Konkurrenz, wie es die Telekom erlebt hat, befürchten müssen, aber ineffiziente Strukturen, Bewegungslosigkeit und verharren in alten Handlungsweisen sorgt für Verkrustungen, die früher oder später aufgebrochen werden müssen und dann deutlich mehr Schmerzen erzeugen.