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Nebeneinkünfte der Bundestagsabgeordneten offengelegt [Updated]

Das Gesetz über die Offenlegung der Nebeneinkünfte der Bundestagsabgeordneten gilt ja schon länger, bis gestern aber waren diese Nebeneinkünfte nicht offengelegt. Der Grund dafür war eine Verfassungsklage, die gestern abschlägig beschieden wurde.
Seit heute also sind die Daten verfügbar und was zeigt sich schon nach dem ersten durchsehen? Dass eine Dame Namens Angela Merkel monatlich über 7000 Euro für einen Nebenjob bekommt. Schimpft sich „Bundeskanzlerin, Berlin, monatlich, Stufe 3“.
Abgesehen davon kann man erkennen, wie ernst manche Fraktionen ihren Job als Abgeordnete nehmen. Von den 51 Abgeordneten der Grünen haben gerade mal drei seit 2005 einen veröffentlichungspflichtigen Nebenjob, nämlich:

Friedrich Merz von der CDU [3] hat alleine 8 Nebenjobs, bei denen er jährlich jeweils über 7000 10.000 Euro kassiert… Alleine diese „Nebeneinkünfte“ sorgen dafür, dass er mehr verdient als der Durchschnittsbürger. Seine Abgeordnetendiäten von 7000 steuerfreien steuerpflichtig Euro monatlich [4] kommen da noch dazu…
Wenn ich davon ausgehe, dass der Herr Merz pro Stunde 100 Euro wert ist und er jeweils „nur“ 7000 10.000 Euro bekommen hat, dann würde das bedeuten, dass er für seine „Nebeneinkünfte“ 14 20 40-Stundenwochen pro Jahr aufwendet…
Wer diesen Herrn gewählt hat, sollte sich überlegen, ob er einer Partei, die so etwas zulässt, noch einmal seine Stimme geben will!

Um selbst nachzuforschen, wieviel die Abgeordneten eurer Wahlkreise „nebenher“ noch verdienen, sucht sie einfach im Abgeordnetenverzeichnis des Bundestags [5].

[Nachtrag]
Zwei Dinge, die ich in meinem Eifer übersehen habe und auf die ich dankenswerterweise in den Kommentaren hingewiesen wurde.

Zum einen sind die Abgeordneten Diäten natürlich steuerpflichtig. Mea culpa. Danke Starkiller
Zum zweiten liegt die Grenze für jährliche Summen bei 10.000 und nicht bei 7.000 Euro. Danke Farlion

Zu den verschiedenen Einkommensarten (einmalig, monatlich, jährlich) ist leider zu sagen, dass die Veröffentlichungsregeln leider ziemlich kompliziert geraten sind.
Monatlich bedeutet, dass die veröffentlichungspflichtige Grenze von 1000 Euro je Monat überschritten wurde, d.h. über einen längeren Zeitraum wurden dem Abgeordneten jeden Monat über 1000 Euro überwiesen.
Jährlich bedeutet, dass dem Abgeordneten über einen längeren Zeitraum regelmässig Beträge von unter 1000 Euro überwiesen wurden, sie in der Summe eines Jahres aber über 10.000 und unter 12.000 Euro liegen. In diese Kategorie fallen also monatliche Einkommen zwischen 834 und 999 Euro. Bei über 999 Euro würden sie also monatlich ausgewiesen, bei unter 834 Euro einfach unter den Tisch fallen.
Einmalig bedeutet, dass die Einnahme nicht regelmässig erfolgt, sondern eben einmalig und über 1000 Euro lag.

Wenn ich nun einem Abgeordneten jeden Monat 833 Euro überweise, dann würde das nicht veröffentlicht. Auch dann nicht, wenn dies 20 Leute täten. Die aktuelle Veröffentlichungspflicht ist in ihrer Aussagekraft also nur sehr beschränkt.

Was man aber erkennen kann, ist zum einen, dass manche Politiker (Merz mit 8 * mindestens 10.000 Euro im Jahr) anscheinend noch viel Zeit neben ihrem Abgeordneten Mandat haben.

Man verstehe mich nicht falsch. Politiker sind sehr einflussreiche Personen, die sehr weitreichende Entscheidungen fällen, weshalb im Bundestag möglichst die besten Köpfe zu finden sein sollten. Diese besten Köpfe müssen auch angemessen bezahlt werden und deshalb muss ihr Einkommen auch mit dem in der freien Wirtschaft bezahlten Schritt halten. Was aber nicht angehen kann ist, dass die Politiker neben ihrem Einkommen als Politiker noch zig zehntausende Euro erarbeiten (davon ausgehend, dass diese Abgeordneten für dieses Geld auch etwas produktives tun und nicht einfach politische Entscheidungen danach ausrichten).
Ich möchte kein Politiker sein. Die Unmengen an Gesetzestexten die für jede Sitzungswoche durchzuackern sind, dazu noch die Arbeit in den Ausschüssen, Treffen mit Lobbyisten, der Presse und der Arbeit im Wahlkreis. Das ist verdammt viel Arbeit. Aber niemand kann mir erklären, wie es da möglich sein soll, in 8 Aufsichtsräten oder Beiräten zu sitzen und dort auch noch ordentlich zu arbeiten. Der Tag hat nur 24 Stunden.