Atomkraftwerke und der Koch

Hach, ist die Welt nicht schön? Über blüht und gedeiht es, seien es nun Blumen, die Korruption oder Baufirmen, die nach „Sicherheitspannen“ in Atomkraftwerken Trafohäusschen bauen…

Tun wir mal so, als seien wir dumm und vergesslich, so richtig dumm und vergeßlich. So dumm und vergesslich wie Roland Koch zum Beispiel. Dann, ja dann könnte man sich 1 1/2 Wochen nach zwei aufgefallenen und einer beinahe vertuschten „Sicherheitspanne“ hinstellen und fordern:

Unser hoher Kerntechnik-Stand in Deutschland macht es möglich, dass wir unsere jetzigen Kraftwerke noch eine ganze Weile weiter laufen lassen können

(Quelle: ZDFHeute)

Aber so dumm und vergesslich wie Roland Koch sind wir nicht.

Wie aber kommt es, dass ich einen examinierten Juristen als dumm und vergesslich bezeichne? Nun, vergesslich ist der wehrte Herr Koch, weil er gerne mal Erinnerungslücken hat, vor allem wenn es in Untersuchungsausschüssen darum geht, ob er sich selbst korrekt verhalten hat, so zB wenn es um die Bestechungsvorwürfe bezüglich der Freien Wähler oder aber um die hessiche CDU-Spendenaffäre.
Warum nun schimpfe ich aber den Herrn Koch für dumm? Nun, wie sonst soll man einen Befürworter der Atomkraft zur Energiegewinnung nennen? Ignorant? Gutgläubig? Uninformiert? Herr Koch ist in der CDU, daher liegt es nahe, dass er ein Ignorant und ein gläubiger Christ, also gutgläubig ist. Uninformiert möchte ich den Herrn Koch aber nicht nennen, denn sicher ist er sich der Gefahren der Atomkraft bewusst und sicher weiß er auch, dass es weltweit kein sicheres Atommüll-Endlager gibt. Also bleibt nichts anderes, als ihn „dumm“ zu schimpfen, wenn er sich hinstellt und sagt:

Erst Anfang des nächsten Jahrzehnts müssen wir entscheiden, ob wir wirklich glauben, so viel klüger zu sein als Japan, Russland, China, Großbritannien und andere und als einziger G-8-Staat auf neue Kernkraftwerke ganz verzichten

(Quelle: ZDFHeute)

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5 Kommentare ↓

#1 Starkiller am 09.07.07 um 21:46

Ich denke es ist relativ leicht jemanden als dumm zu bezeichnen, und ich gebe dir recht, Atomkraftwerke sind nicht wirklich eine gute Lösung, und der entstehende Müll ist eine schlimme Sache, unsere aktuelle Taktik sieht vor den Endmüll irgendwo zu vergraben und zu hoffen das es alle schnell vergessen. Da kann man in der Tat schonmal von dumm sprechen.

Ein Gegenargument habe ich allerdings doch, wer jemanden als dumm bezeichnet stellt sich geistig über den Betitelten und hat hoffentlich einen besseren Plan.

Fakt ist aber das das Wind, Wasser und Solarenergie bisher immer noch extremst ineffizient sind, von Kohle wollen wir lieber erst gar nicht sprechen und gänzlich andere Techniken wie z.B. Thermalkraftwerkwe noch in weiter Ferne sind.

Fakt ist zudem auch, das der weltweite Energiehunger gewaltig ist und bis ins Jahr 2020 sicherlich nochmal um 30-50% steigen wird, (ich empfehle das Buch „Grenzen des Wachstums“) und so traurig es ist, ich aktuell einfach keine andere Energiequelle als Atomstrom sehe, aber vielleicht bin ich auch dumm.

#2 Marnem am 09.07.07 um 23:29

Wind, Wasser und Solar sind sicher nicht die Lösung, auf die wir alle gehofft haben. Das liegt einfach an der Unberechenbarkeit, wann und wo Strom damit produzierbar ist. Der Energiehunger ist ein Problem und durch die zunehmende Computerisierung der Welt nimmt die benötigte Energiemenge nicht gerade ab. All dies sind große und ungelöste Probleme.

Was aber auf alle Fälle nicht geht, ist die Rücksichtslosigkeit, mit der wir zur Zeit die Zukunft mit weiteren Problemen belasten. Sei es das ewige Auftürmen von Schuldenbergen oder das Verschmutzen der Natur, beides sind aber Probleme, die vielleicht für die nächsten 50, 100 oder 200 Jahre aktuell sind. Plutonium 235 hingegen hat eine Halbwertszeit von 24.000 Jahren, das Atommüllproblem ist also für ganz andere Zeiträume eine Gefahr für die Umwelt.

Roland Koch ist Jurist und kein Wissenschaftler. Ich erwarte nicht von ihm, dass er das Energieproblem löst. Erwarten kann man aber, dass er sich bemüht, das Problem nach Kräften zu lösen und nicht, das Problem um ein paar Jahre hinauszuzögern, für den Preis für 10.000de Jahre ein weiteres Problem geschaffen zu haben.

Von der Gefahr eines GAUs mal ganz abgesehen.

#3 Starkiller am 10.07.07 um 01:25

du erwartest nicht von ihm das er das Problem lößt, aber das er sich nach Kräften bemüht das Problem zu lösen? O.o
Das ist als würdest du sagen das du von jemandem nicht verlangt das er das Waldsterben lößst, sondern nur das er alle Bäume neu pflanzt.

Versteh mich nicht falsch, ich bin auf deiner Seite, ich wollte nur darauf hinaus das diese Probleme aktuell keiner lösen kann, es gibt einfach keine Alternativen, was ich mir von der Politik in diesem Bereich aber wünschen würde, ist das sie diese Probleme zumindest angehen, das Geld in die Forschung investiert wird z.B.

Ich finde daher auch die Diskussion um einen Atomausstieg verfrüht, da man nicht ‚ernsthaft‘ über dieses Thema diskutieren kann wenn es keine Alternativen gibt, aber nach diesen suchen, sollte man ganz unbedingt.

#4 Marnem am 10.07.07 um 18:26

Roland Koch ist gerade mal Ministerpräsident von Hessen, also schon mal nicht so der Big Player. Wenn ich aber von ihm fordere, dass er sich an der Lösung des Problems nach Kräften beteiligt, so wäre doch von ihm zu erwarten, dass er sich darum bemüht, den Energieverbrauch in seinem Bundesland zu senken und die Forschung zu unterstützen. Ich habe seit über einem Jahrzehnt von keinem Stromerzeuger die Forderung gehört, man solle doch ein neues AKW bauen, warum aber kommt dann die Forderung von ihm?

Bundesinnenminister Schäuble setzt alle Möglichen und Unmöglichen Hebel in Bewegung, um nur ja einen Terroranschlag zu verhindern, da man ihm als zuständigem Minister sonst vorwerfen könnte, er hätte zu wenig unternommen. Das Gesicht von Koch möchte ich sehen, wenn man ihm seine aktuellen Aussagen an den Kopf wirft, nachdem Biblis in die Luft gegangen ist. Obwohl, nein, ich möchte sein Gesicht in diesem Zusammenhang lieber nicht sehen, weil ich den ganzen Zusammenhang lieber nicht erleben möchte.
Beckstein sagte im April zum Thema Terroranschlag:

Wenn es dazu kommt, werden wir in jedem Falle auch eine Diskussion über die Mitschuld bekommen.

Selbiges gilt natürlich auch im Falle eines GAUs.

Btw sorry, Starkiller, aber beim Thema AKW könnte ich an die Decke gehen. ich gebe zu, dass ich vor AKWs Angst habe, aber Du musst verstehen, ich war 1986 7 Jahre alt, wollte im Sandkasten spielen und musste statt dessen im Fernsehen den rauchenden Krater von Tschernobyl sehen. AKWs sind absolute NO-GOs in meinen Augen.

#5 Starkiller am 10.07.07 um 20:52

Klar, das kann ich verstehen, ich war damals auch nur etwa 10, trotzdem hab ich eine leicht andere Meinung, aber das kann ich respektieren, vor allem auch weil ich denke das wir auf der selben Seite der Diskussion stehen.

Es gibt für mich zwei Themen die auf meiner Liste der Dinge was Politik leisten/verändern sollte, ganz oben stehen: Das ist zum einen Bildung und zum anderen Forschung und ich denke das Forschung in dieser Diskussion um den Atomausstieg und damit einhergehen um alternative Energiequellen einer zentraler Diskussionspunkt sein sollte.

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