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eBay und die Karteileichen

Einige [1] Leute [2] haben sich mal den letzten Quartalsbericht von eBay genauer angesehen und dabei überrascht festgestellt, dass eBay Millionen an Karteileichen in ihren Benutzerbeständen führt. Sogar 2/3 der angemeldeten Nutzer [3] sollen Karteileichen sein, die aktive Userbase soll trotz 10 Millionen Neuanmeldungen pro Quartal ziemlich gleich bleiben.

Mich wundert das nicht.

Als eBay vor 12 Jahren gegründet wurde, wollte der Gründer eine Tauschplattform für PEZ-Sammelfiguren schaffen, so die Legende. Es gab ein klares Zielpublikum und eBay war ein kostenloser Service. Nach und nach wuchs eBay und ab 1999 explodierte mit der Internationalisierung das Wachstum. Heute steht ein Konzern vor uns, der über eine Milliarde pro Jahr verdient, neben dem Auktionsgeschäft im VoIP Geschäft mit Skype tätig ist und dem eine Bank (PayPal) gehört. Nicht schlecht, für eine PEZ-Tauschplattform.

Warum nun aber diese hohe Zahl an Karteileichen?
Karteileichen sind bei eBay Nutzeraccounts, die in den letzten 12 Monaten nichts ver- oder gerkauft haben.

  1. Negative Bewertungen: Viele Karteileichen haben mit Sicherheit ein oder mehrere negative Bewertungen bekommen. Anstatt dass dadurch andere Nutzer gewarnt werden, wird einfach ein neuer, sauberer Account angelegt.
  2. Fake Accounts: Um die Preise hoch zu treiben, werden Fake Accounts angelegt, die natürlich nie etwas erwerben und so als Karteileichen gelten.
  3. Angebotsgebühr: Um die Angebotsgebühr möglichst gering zu halten, werden die Artikel mit einem Mindestpreis von 1 Euro eingestellt und dann per Fake Accounts der Auktionspreis auf den gewünschten Mindestpreis angehoben. Dazu sind aber zwei Fake Accounts nötig…
  4. Professionalisierung der Plattform: Durch das Einführen der „Sofort Kaufen“ Funktion wurde die Plattform für professionelle Händler attraktiv. Diese verkaufen viel und regelmäßig, weshalb sie viele Fake Accounts benötigen, um die Manipulation nicht auffällig werden zu lassen.
  5. Steigende Preise: Durch die steigenden Nutzerzahlen erhöhte sich die Bieterkonkurrenz und somit die Warenpreise. Eine sechs Monate alte Krups Brotschneidemaschine für eine Mark wird man heute nicht mehr ersteigern können, solche Schnäppchen sind längst passe (eine Baugleiche kostet momentan fast 16 Euro [4]).
  6. Sinkendes Image: „Das hab ich von eBay“ wird heute nicht mehr mit auch nur halb soviel Anerkennung goutiert, wie noch vor 5 Jahren. Betrüger haben ihr übriges getan, um unerfahrene Nutzer anzuschrecken.
  7. Gestiegene Versandkosten: Erwähnte Brotschneidemaschine kostete mich 2,50 Mark Versand, heute verlangt alleine die Post 3,90 Euro. Oft schlagen die Verkäufer hier aber deftig drauf und verlangen 5-10 Euro und verdienen so nebenbei. Ich warte auf die ersten 1 Euro Angebote, die 99 Euro Versand verlangen, darauf im Artikeltext hinweisen und so 4,45 Euro Auktionsgebühr sparen…
  8. Mehrere Accounts zum Schutz der Privatsphäre: Ein Beispiel: Vor 3 Jahren kaufte ich ein Gemälde (dazu demnächst mehr) bei eBay. Das Gemälde hat eine Aufhängung aus drei Vierkantrohren. Aus dem Bewertungsprofil des Künstlers konnte ich ersehen, dass er 3,50 Euro dafür bezahlt hatte…
    Diese Accounts braucht man aber nicht regelmäßig oder vergisst sie gar
  9. Doppelaccounts innerhalb der Familie: Ehepartner brauchen oft nur einen Account, somit liegt der des Partners brach
  10. Sterbefälle von Mitgliedern: Tote kaufen nicht mehr. So lassen sich zwar sicher keine 10 Millionen Karteileichen begründen, ein paar hundert tausend aber wohl schon.

Sicher lassen sich noch viele weitere Gründe finden, so zB konkurrierende Plattformen oder die Unübersichtlichkeit der Webseite. Generell verwundert mich eine Quote von 2/3 nicht. Was mich aber tierisch an dieser Zahl stört ist die Tatsache, dass dort die riesiger Berg an Nutzerinformationen vorliegt, der nicht gelöscht wird. Warum muss eBay nicht alleine schon aus Datenschutzgründen zumindest die Profile von seit 2 oder 3 Jahren inaktiven Nutzern löschen? Zumindest falls diese schon länger nicht mehr eingeloggt haben sollten diese doch für eBay keinen Wert mehr haben, in den Händen der falschen aber schon, schließlich lässt sich oft alleine schon über den Nutzernamen des Transaktionspartners herausfinden, worum es bei der Auktion ging…