Das Grundgesetz – Artikel 6

Artikel 6

  1. Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung.
  2. Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft.
  3. Gegen den Willen der Erziehungsberechtigten dürfen Kinder nur auf Grund eines Gesetzes von der Familie getrennt werden, wenn die Erziehungsberechtigten versagen oder wenn die Kinder aus anderen Gründen zu verwahrlosen drohen.
  4. Jede Mutter hat Anspruch auf den Schutz und die Fürsorge der Gemeinschaft.
  5. Den unehelichen Kindern sind durch die Gesetzgebung die gleichen Bedingungen für ihre leibliche und seelische Entwicklung und ihre Stellung in der Gesellschaft zu schaffen wie den ehelichen Kindern.

Anmerkung des Blogautors:
An dieser Stelle würde ich mir eine Grundgesetzänderung wünschen und zwar in 6.1 „Ehe“ streichen.
Bisher werden hier Ehe und Familie genannt. Ich schätze mal Ehe wird hier als Vorstufe zur Familie angesprochen. Hintergedanke dürfte der übliche Wunsch nach Fortpflanzung sein.
Sowohl homosexuelle Partnerschaften als auch unverheiratete Paare werden somit vom „besonderen Schutz der staatlichen Ordnung“ ausgeschlossen. Würde man 6.1 um „eheähnliche Gemeinschaften“ erweitern, würde damit zwar eine Gleichstellung mit der „Ehe“ hergestellt, zugleich würde dann aber der „besonderen Schutz der staatlichen Ordnung“ einem Großteil der Erwachsenen Bevölkerung zuteil. Von einem „besonderen Schutz“ könnte dann aber nicht mehr gesprochen werden.
Würde nun „Ehe“ gestrichen, wäre auch eine Gleichstellung mit anderen Arten von Partnerschaften gegeben und sowohl die Besonderheit der Schutzwürdigkeit einer Familie unterstrichen, als auch der Weg für die Erweiterung des Familienbegriffs frei. So könnte in Zukunft Familie als „Haushaltsgemeinschaft mit einem oder mehreren Kindern“ definiert werden und dadurch sowohl allein-erziehende, unverheiratete Paare mit Kind, gleichgeschlechtliche Paare mit Kind und verheiratete Paare mit Kind erfasst und geschützt werden.
Ich befürchte aber, dass das Streichen des Begriffs „Ehe“ nicht möglich sein dürfte, da dies der Entzug eines gewährten Rechts wäre und dies ist afaik nicht möglich.

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8 Kommentare ↓

#1 Starkiller am 15.08.07 um 06:57

Was soll 6.1 überhaupt ausdrücken, das ist mir irgendwie nicht klar.
Ehe und Familie sind besonders zu schützen? Vor wem oder was? Warum dann nur ‚Ehe‘ streichen, und es einfach ersetzen mit etwas wie „Jeder Bundesbürger steht unter dem besonderen Schutz des Staates“.

Ohne Kontext oder Hintergrund geht mir halt nicht in den Kopf warum nicht jeder Bürger gleich geschützt sein soll.

#2 Marnem am 15.08.07 um 11:43

Ich schätze mal, dass folgende Punkte unter diesen „besonderen Schutz“ fallen. Wobei, wenn ich damit recht habe, müsste ich mir das mit dem Streichen der „Ehe“ vielleicht nochmal überlegen…

  • Steuergesetzgebung: Ehegatten-Splitting, niedrigerer Erbsteuersatz
  • Juristerei: Aussageverweigerung
  • Rente: Übertragung des Pensionsanspruchs auf den Ehepartner
  • Versicherungen: Mitversicherung zB bei der Krankenkasse

Und es gibt sicher noch weitere Beispiele, wobei ich mir nicht mal sicher bin, ob alle aufgeführten Beispiele auf Artikel 6.1 fußen.

#3 Erik am 18.08.07 um 09:30

Der Staat hat ein berechtigtes Interesse an Ehe und Familie, weil dort Kinder entstehen bzw. schon vorhanden sind. Deswegen darf das da ruhig stehenbleiben.

#4 Marnem am 18.08.07 um 12:46

Zwischen Ehe und Kindern sehe ich in der heutigen Zeit nicht mehr wirklich viel Zusammenhang. Kinder werden nicht ehelich gezeugt und geboren, Ehen trennen sich trotz Kindern.

#5 Frank am 06.05.08 um 14:19

Ich gebe Erik vollkommen Recht, das Interesse in Art.6 Abs (1/2) liegt darin, durch Familien und Ehen Kinder zu zeugen, um den Fortbestand der der Republik zu gewährleisten, eine richtige Familie ist nun mal die, wo Mann und Frau verheiratet sind.
Außerdem ist es auch für Kinder ein Hort der Zuflucht, gerade in de heutigen Zeit, einer gesunden Familie beizuwohnen.
Ich finde die, die bereits Kinder haben und verheiratet sind, sollten hier mal was dazu schreiben, keine Jugendlichen.
Der Artikel darf keinesfall geändert werden und schon garnicht so wie oben vorgeschlagen.

#6 Marnem am 27.05.08 um 13:29

Eine gesunde Familie ist sicher ein sehr hohes Gut, dass geschützt werden sollte. Die Frage ist aber, ob dazu eine heterosexuelle Ausprägung gegeben sein muss. Es gibt genug Beispiele für Familien „herkömmlicher Art“, die für Kinder wahrlich kein „Hort der Zuflucht“ sind, wohingegen homosexuelle Paare durchaus auch in der Lage sind, eine solche Zuflucht zu bieten.

#7 Starkiller am 27.05.08 um 13:49

> eine richtige Familie ist nun mal die, wo Mann und Frau verheiratet sind.
Genau, willkommen im 19. Jahrhundert…..ach nein….

#8 Dieter am 25.03.09 um 16:46

Die Deutsche Botschaft in Bangkok hat meiner Verlobten das Heiratsvisa untersagt mit der Begündung: „Es bestehen erhebliche Zweifel an der ernsthaften Absicht, eine nach GG ??6 schutzwürdige Ehe zu schliessen“. Dies erfolgte auf Anweisung der Ausländerbehörde Muenchen.
Somit dient der Paragraph zur Abwehr unerwünschter Ausländer, die von Deutschland profitieren könnten, wie unter Kommentar #2 von Marnem beschrieben.

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