Das Grundgesetz – Artikel 7

Artikel 7

  1. Das gesamte Schulwesen steht unter der Aufsicht des Staates.
  2. Die Erziehungsberechtigten haben das Recht, über die Teilnahme des Kindes am Religionsunterricht zu bestimmen.
  3. Der Religionsunterricht ist in den öffentlichen Schulen mit Ausnahme der bekenntnisfreien Schulen ordentliches Lehrfach. Unbeschadet des staatlichen Aufsichtsrechtes wird der Religionsunterricht in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Religionsgemeinschaften erteilt. Kein Lehrer darf gegen seinen Willen verpflichtet werden, Religionsunterricht zu erteilen.
  4. Das Recht zur Errichtung von privaten Schulen wird gewährleistet. Private Schulen als Ersatz für öffentliche Schulen bedürfen der Genehmigung des Staates und unterstehen den Landesgesetzen. Die Genehmigung ist zu erteilen, wenn die privaten Schulen in ihren Lehrzielen und Einrichtungen sowie in der wissenschaftlichen Ausbildung ihrer Lehrkräfte nicht hinter den öffentlichen Schulen zurückstehen und eine Sonderung der Schüler nach den Besitzverhältnissen der Eltern nicht gefördert wird. Die Genehmigung ist zu versagen, wenn die wirtschaftliche und rechtliche Stellung der Lehrkräfte nicht genügend gesichert ist.
  5. Eine private Volksschule ist nur zuzulassen, wenn die Unterrichtsverwaltung ein besonderes pädagogisches Interesse anerkennt oder, auf Antrag von Erziehungsberechtigten, wenn sie als Gemeinschaftsschule, als Bekenntnis- oder Weltanschauungsschule errichtet werden soll und eine öffentliche Volksschule dieser Art in der Gemeinde nicht besteht.
  6. Vorschulen bleiben aufgehoben.

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10 Kommentare ↓

#1 Starkiller am 15.08.07 um 09:23

Gibt es eigentlich nicht viel drüber zu sagen, ich fände es zumindest als Gedankenexperiment mal interessant zu überlegen wie es wohl wäre wenn 7.1 gestrichen würde, wenn Schulen nicht mehr dem Staat unterstellt wären, sondern sich an den normalen Regeln der freien Wirtschaft messen müssten?

Jemand hier der mit mir darüber diskutieren möchte?

#2 Marnem am 15.08.07 um 12:06

Wenn der Staat keine Aufsicht mehr über die Schulen hätte, würde dies bedeuten, dass jeder eine Schule aufmachen dürfte. Es würde sicher, so wie Du es ansprichst, Schulen geben, die von Unternehmen betrieben und dadurch vielleicht besonders effizient wären. Vor allem dürfte aber auch jeder religiöse oder weltanschaulich motivierte Spinner eine Schule eröffnen.
Stell Dir mal den Aufschrei vor, wenn die erste Scientology oder Koranschule ihre Pforten öffnen würde. Oder aber von rechts oder von links verblendete Ideologen in ihren Kameradschafts- bzw Kaderschmieden Kinder von der Grundschule an ideologisch indoktrinieren könnten…
Nee, nee, lass mal. Die staatliche Aufsicht ist hier schon ganz passend.

Trotzdem fände auch ich es mal ganz interessant, was Fachleute dazu sagen würden, wenn Unternehmen Schulen betreiben dürften. Diese Schulen müssten sich an die verbindlichen Schulpläne halten, es würde jährliche Evaluationen geben (vgl landesweiter Tests ähnlich dem Zentralabitur, aber auch der erzieherischen Leistung) und den Schulen würde vom Staat ein Budget zugeteilt, dass die Schulen über ein Schulgeld von den Eltern beliebig aufstocken könnten. Allerdings befürchte ich, dass je nach Höhe des Schulgelds, sich va die Kinder der wohlhabenderen versammeln würden.

Ich war drei Jahre lang (meine beiden Brüder jeweils 9 Jahre lang) auf einem katholischen Gymnasium. Die ersten vier Jahrgangsstufen haben an vier Tagen in der Woche Ganztagsschule (7:45 – 16:00) und inkl Mittagessen kostete die Schule (soweit ich mich erinnere) rund 300 oder 350 Mark (Stand in etwa 1992). In der Folge fanden sich auf der Schule va Kinder von Eltern, denen die Bildung ihrer Kinder besonders wichtig war und dementsprechend hoch war das Niveau. Allerdings war mir 2 1/2 Stunden Schulweg pro Tag auf dauer zu viel und so wechselte ich auf ein normales Gymnasium. Anfangs war ich ziemlich geschockt ob des Unterschieds im Wissen, Charakter und Umgang miteinander. Im Nachhinein ärgere ich mich immer wieder, dass ich die zusätzliche Stunde Schulweg pro Tag nicht auf mich genommen habe.

#3 Steffi am 15.08.07 um 12:20

Ein Problem, wenn Schulen nicht mehr dem Staat unterstellt wären, wäre meiner Meinung nach, dass es dann keinen allgemein gültigen Lehrplan gäbe der vorschreibt was unterrichtet werden soll/muss.
Gut, der Lehrplan heute ist auch „nur“ für das jeweilige Bundesland verpflichtend, aber das bedeutet, dass ein Arbeitgeber weiß, was ein bayerischer Abiturient oder Realschulabsolvent gelernt hat (naja gut, haben sollte.)

Ohne die staatliche Aufsicht hätte wohl jede Schule ihren eigenen persönlichen Lehrplan, der sich – und das wäre meiner Meinung nach ein weiteres Problem dabei – am Willen des Finanzierenden orientieren würde.

Schule nach den Regeln der freien Wirtschaft bedeutet, dass die Schulen entweder jemanden brauchen, der die Schule finanziert oder dass die Schüler Schulgeld zahlen müssen.

Jemand der eine Schule finanziert will davon natürlich auch etwas haben – kein Unternehmer würde einfach so mal eben eine Schule finanzieren – und das bedeutet, dass der Finanzierende zumindest vorgeben möchte was gelehrt wird, damit er sich aus den Schülern möglicherweise für sein Unternehmen die Besten raussuchen kann und so seinen eigenen „Nachwuchs“ ausbildet. Diese Schulen wären dann aber wahrscheinlich mit extremem Notendruck verbunden, da ein Unternehmer kein Interesse daran hätte schwächere Schüler auf seiner Schule zu unterrichten, die ihm dann später sowieso nichts bringen. Zudem wären das dann wohl eher die höheren Schulen. Kinder, für die eine „Gymnasiallaufbahn“ nicht möglich ist, wären hiervon ausgeschlossen.

Die Alternative mit dem Schulgeld würde (siehe die Diskussion zum Thema Studiengebühren) bedeuten, dass nur die Kinder „reicher“ Eltern zur Schule gehen könnten.
Da stellt sich dann die Frage wie das mit der Schulpflicht ist und was mit den Kindern passiert deren Eltern sich die Kosten für eine Schule nicht leisten können und die keine Möglichkeit haben eine finanzierte höhere Schule zu besuchen.

#4 Starkiller am 16.08.07 um 16:28

Wieso geht ihr davon aus das wenn Schulen nicht mehr alleinig dem Staate unterstellt wären, das dann überhaupt keine Kontrollen mehr existieren würden?

Zum einen könnte eine privat geleitete Schule immer noch unter staatlicher Kontrolle stehen, zum anderen gehe ich davon aus auch die Wirtschaft schon aus Eigeninteresse selber Kontrollmechanismen, Gremien usw. einrichten würde.

Um mal zu verdeutlichen was ich meine, und um zu zeigen das dies gar nicht so weit weg ist, vor etwas über 10 Jahren war ich in einer kaufmännischen Ausbildung, die Berufsschule war komplett aus der Branche finanziert, das heißt nicht das es keine staatliche Kontrolle mehr gab, aber es hieß das die Branche einiges zu sagen hatte, so z.B. auch das es keine unmotivierten Lehrer gab die nur auf ihre Rente gewartet haben. Und natürlich aber auch, wie Steffi angedeutet hat, das es einen gewissen Notendruck gab, aber mal ehrlich, jemand mit einem vierer-Notenschnitt ist in der Regel nicht dämlich, sondern faul, und das sage ich obwohl ich selber nie zu den besten Schülern gehört habe, Schulen stellen keine unmöglichen Anforderungen, oder wie damals mein Vater sagte: „Schule ist kein Hobby, es ist dein Job.“

#5 Steffi am 16.08.07 um 17:04

Naja, du hast ja nicht mehr vorgegeben als dass die Schule nicht mehr dem Staat unterstellt ist.
Und da wollte ich mal überlegen wie das wohl wäre, wenn der Staat sich da ganz raushalten würde.

Private Schulen unter staatlicher Kontrolle gibt es heute ja auch schon. Aber ich dachte bei der Überlegung ging es gerade darum, dass der Staat nicht mehr die Kontrolle hat?

Ok, dann hab ich dich wohl etwas falsch verstanden oder das Ganze überinterpretiert. :-)

Ich bin übrigens absolut dafür Lehrer nur noch für Leistung zu bezahlen, so wie es an privaten Schulen läuft! (Und das obwohl ich selber einer werde! 😉 )

Und deinem Vater stimme ich auch vollkommen zu! Wäre nur schön, wenn das auch endlich mal die Nicht-Lehrer einsehen würden, dass die Schule sowohl für Schüler, als auch für Lehrer Arbeit bedeutet und durchaus absolut auslastend ist!

#6 Starkiller am 16.08.07 um 21:42

Ich denke du hast mich schon richtig verstanden, der ürsprüngliche Comment meinte schon, keine „staatliche“ Kontrolle mehr, aber du hast daraus „keine Kontrolle“ mehr gemacht.

Mein Beispiel war nur ein erster Schritt in diese Richtung, aber der Grundgedanke war wohl, wie wäre es wenn schlechte Lehrer auch mal gefeuert werden könnten.

#7 Marnem am 16.08.07 um 23:28

Das von mir erwähnte katholische Gymnasium geht in die von dir angedachte Richtung, als das die Kirche einen Teil finanziert und dafür Einfluss nehmen kann, so zB auf Teile des Lehrplans (3 Stunden Religion pro Woche Pflicht, 5 Minuten fürs Morgen- und Abendgebet pro Tag eingeplant). Die Schule kann sich auch die Lehrer frei aussuchen, diese werden auch nicht verbeamtet, sondern haben ganz normale angestellten Verträge. Dementsprechend motiviert sind die Lehrer dann auch. Das Gehalt orientiert sich mW auch nur an dem normalen Beamtengehalt, ist aber variabel.

#8 Starkiller am 17.08.07 um 02:07

*prust* Ich will doch nicht den Teufel mit dem Beelzebub austreiben, um beim Christentum zu bleiben :-)

Nichts gegen deine Schule, aber je weniger die Christen irgendwo ihre Finger im Spiel haben, so besser fühle ich mich, no offense intented.

Aber ansonsten klingt es tatsächlich besser als eine staatliche Schule, da gebe ich dir Recht.

#9 Marnem am 17.08.07 um 03:12

Für Religionen hab ich auch nichts übrig, aber zur klassischen Bildung des Abendlandes gehört nun mal die Bibel und der christliche Kram. Außerdem kann ich so die Fanatiker aller Welt viel besser verstehen, wo ich doch selbst auf einer entsprechenden Kaderschmiede war. Wenn ich auch statt Körperertüchtigungskurse lieber in die „Griechischen Sagen“ und „Geschichten zur Geschichte“ Stunden gegangen bin.

#10 Starkiller am 17.08.07 um 04:17

Ja ok, das kann ich verstehen, ich weiss auch mehr über den Verein als ich müsste, es ist halt nur nichts für mich.

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