Shoppero – Eine Deutsche Erfolgsgeschichte! Oder etwa nicht?

Shoppero goes Facebook – ist das nicht eine tolle Nachricht für die Journalisten aus der Wirtschaftsredaktion? Auf den ersten Blick – Bewertungsids von 1 111 117, also über 1 Mio, eine mit über 2000 Nutzern gefüllte Datenbank und jetzt auch noch Facebook. Das muss doch ein Erfolg sein, oder?
Andererseits… Warum sind da so viele Nutzer mit 0 Bewertungen und keine mit über 1000? Schließlich müsste jeder Nutzer 500 Bewertungen abgegeben haben, um auf die 1 Mio zu kommen! Aber halt, den Nutzernamen habe ich doch schon unter einem anderen Buchstaben in der Usertabelle gesehen. Hier ist doch was faul?!?

Von wo stinkt der Fisch? Von Norden her!

Am 3.Mai, vor 110 Tagen also, öffnete mit Shoppero eine Todgeburt Abmahnfalle tolle Klitsche in Hamburg, die angeblich dem LongTail Geld bringen soll. Vor 55 Tagen beschäftigte sich F!XMBR schon einmal mit den Userdaten von Shoppero und kam zu folgendem Ergebnis:
In 55 Tagen 604 Bewertungen („Produktvorstellungen“) von 131 Usern.

Nachdem Shoppero vor knapp 6 Wochen seine Pforten für den Englischen Marktöffnete, mit dem heutigen Facebook-Application-Start und 55 Tage nach F!XMBRs Analyse ists mal wieder an der Zeit, sich Shoppero anzusehen.

Die Produktbewertungen

Das wichtigste für diese Social Commerce Plattform dürften wohl die Bewertungen sein, darum gilt ihnen meine erste Recherche. Sieht man sie die URLs der Produktbewertungen an, so fällt die BertungsID von 111xxxx auf. Bisher sind also maximal 9999 Produktbewertungen eingegangen. Mit etwas Zahlenspielerei kommt man auf die 1111117 als niedrigste ID, hinter der sich ein Produkt versteckt. Mit der gleichen Technik habe ich am 20.08.2007 gegen 19 Uhr die ID 1112512 als höchste ID ermittelt. Dies lässt auf 1395 Produktbewertungen schließen. Wohlgemerkt, 1395 insgesamt im deutsch- und englischsprachigen Raum.
Dies sind entspricht einem Wachstum von 130% in den letzten 55 Tagen. Das Wachstum hat sich also nur minimal beschleunigt. Statt 11 Beiträgen pro Tagen wurden in den letzten 55 Tagen im Schnitt 14,4 Beiträge pro Tag geschrieben…

Die Nutzerzahl

F!XMBR gibt für die ersten 604 Beiträge 131 Nutzer an. Dies entspricht 4,6 Beiträgen je Nutzer.
Bei der Ermittlung der Userzahlen gibt es (inzwischen) ein Problem, da ich nirgends Hinweise auf die UserIDs entdecken konnte. Mir blieb so nichts weiter übrig, als die User in der Alphabetisch sortierten „Shopperos“ Übersicht per Hand zu zählen. Lustigerweise versucht Shoppero auch hier wieder zu verschleiern, so sehr es geht. Konkret hat jeder Shoppero mindestens drei Namen:
Seinen Vor-, Nach- und Nutzernamen.
Die „Shopperos“ Übersicht ist nach den Anfangsbuchstaben dieser drei Namen sortiert, der Nutzer „Korbinian Schoder, Marnem“, wäre also unter K, S und M zu finden, Steffi nach unserer Hochzeit hingegen nur unter S („Stefanie Schoder, Schülerschreck“).
Ich gehe davon aus, dass bei den meisten maximal 2 der 3 Anfangsbuchstaben übereinstimmen und bei vielen sogar alle 3 verschieden sind. Daher werde ich bei den Userzahlen immer 3 Werte angeben:
Den absoluten Wert in der Datenbank, den Wert falls alle nur 2 verschiedene Buchstaben verwendeten, den Wert falls alle 3 verschiedene Buchstaben verwendeten.
Die Wahrheit wird irgendwo dazwischen liegen.

Die Werte habe ich im Zeitraum zwischen 19:00 und 20:45 ermittelt.
Ich habe für die deutsche Userbase (1132/566/377) angemeldete Nutzer ermittelt, wobei nur (441,220,147) davon auch mindestens eine Bewertung abgegeben haben.
Für die englische Userbase (1044/522/348) angemeldete Nutzer und (300/150/100) mit mindestens einer Bewertung.

Da die ProduktbewertungsIDs sowohl für die englischen, als auch deutschen Bewertungen stehen, addiere ich auch die Userzahlen der beiden Sprachen. Dabei ist zu beachten, dass eine ganze Reihe von Usern in beiden Sprachen angemeldet ist. Die genaue Anzahl habe ich nicht berechnet und kann daher darüber keine Aussagen machen.
Beide Sprachen haben zusammen (2176/1088/725) Nutzer und (741/370/247) davon haben eine Bewertung abgegeben, somit eine Karteileichenquote von fast 2:1

Im folgenden gehe ich davon aus, dass die wahre Nutzerzahl in der Mitte des zweiten und dritten Werts liegt und Shoppero darum 296 Nutzer mit mindestens einer abgegebener Bewertung besitzt. Durchschnittlich hat Shoppero dann 3 (in Worten DREI!!) neue Nutzer am Tag gewonnen. Jeder Nutzer der Plattform (inkl agata mit 150 Bewertungen, Maxi 89, Blaubaer 23) hat also 4,7 Bewertungen abgegeben.
Die drei genannten Nutzer steuerten in den ersten 55 Tagen 43% aller Bewertungen bei, in den zweiten 55 Tagen genau 1 (in Worten EINE). Somit lässt sich daraus schließen, dass

  • die Einnahmen in den ersten 55 Tagen entweder so hoch waren, dass die drei Nutzer ihr Jobs aufgeben und nicht mehr zu arbeiten, geschweigen denn bewerten, mussten
  • oder aber, dass die Umsätze so niedrig waren, dass sich diese Aktivposten von der Plattform verabschiedeten
  • oder aber, dass die drei Accounts Fakes der Shoppero-Mitarbeiter sind (Jane Doe als realer Name agatas deutet darauf schon hin) und sich die Plattform nicht mal für die Firma Shoppero lohnt, da die Bezahlung der Hiwis für die Produktbewertungsproduktion höher als der damit erzielte Umsatz ist

Ich bin ja mal gespannt, wieviele Dumme Karteileichen sich Shoppero durch die Facebook-Aktion ins Boot holt.

Ach ja, bloß damit ichs nicht vergesse: In den 3 1/4 Stunden seit meiner ersten Berechnung der ProduktbewertungsIDs hat sich doch glatt ein Nutzer gefunden, der ein Produkt bewertet hat. der Bewertungstext lautet:

Nice little desktop machine
Empfohlen von Oliver-Wagner am 2007-08-20 15:02:00

Looks good, works good.

Na dann, gute Nacht Shoppero…

[Nachtrag]
Die zitierte Uhrzeit bezieht sich auf das Englische Shoppero, das anscheinend US Zeit hat.

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8 Kommentare ↓

#1 Shopperin0 am 21.08.07 um 09:52

lol. irgend nen dummer wirds trotzdem kaufen.

#2 Starkiller am 21.08.07 um 09:57

Da hast du dir viel Mühe gemacht, aber überraschend ist es nicht, so wie ich das System verstanden habe, geben User den Content in Form von Bewertungen ein (AAL hab ich ja gestern gelernt), werden mit Peanuts abgespeist und die Platformbetreiber machen damit Kohle…das dies irgendwie nicht funktionieren kann weil die meisten User einfach nicht so dämlich sind, erscheint irgendwie logisch. Aber vielleicht habe ich das System ja auch nicht verstanden.

#3 Marnem am 21.08.07 um 17:12

Prinzipiell finde ich die Idee nicht mal soooo falsch. Eine Produktempfehlung von einem Kumpel ist mehr wert, als die eines Verkäufers.
Nun ist es aber so, dass Shoppero nur Provisionen für Verkäufe bekommt, die direkt über den Link von Shoppero aus kommen. Idr wird der Nutzer aber erst mal gucken, wo er das Produkt billiger bekommt und schwupps, schon gibts keinen Cent für Shoppero und die Produktempfehler.
Die Idee ist also nicht falsch, nur halt die Umsetzung katastrophal schlecht.

#4 Starkiller am 21.08.07 um 19:23

Man kann das ganze natürlich auch positiv sehen, solange die Umsetzung schlecht ist, wird es auch nicht Angriff einer Betrugswelle.

Nach dem gleichen Prinzip funktionieren ja auch die Kundenbewertungen z.B. bei Amazon.
Es gab aber mal bei Spiegel Online einen Artikel darüber das dort mittlerweile im GANZ großen Maßstab gepfuscht, gemogelt und gefälscht wird.

Aber eigentlich brauch mal sowas, da gebe ich dir Recht, man kann sich nicht in jedem Gebiet auskennen. Bei Computerhardware bin ich eigentlich recht gut bewandert, aber wenn mich z.B. jemand fragen würde, welchen Kühlschrank oder welche Waschmaschine man kaufen kann oder welches Buch als Einführung in CSS man gelesen habe sollte, dann wäre ich ziemlich überfragt.

Früher gab es für solche Kaufentscheidungen mal die Stiftung Warentest, aber ich weiss nichtmal mehr ob es die überhaupt noch gibt, oder ob man der noch trauen kann.

#5 Die Konkurrenz des blasen.VZ verkrümelt sich — Marnems Sicht der Dinge am 22.08.07 um 13:19

[…] die Datenbank mit angeblich rund 15200 Nutzern (btw, das wären mindestens das 14-fache von Shoppero in nur 2 Wochen längerer […]

#6 Marnem am 23.08.07 um 03:38

Hier sprichst Du eines der großen Probleme unserer Zeit an. Früher nannte man es „Qual der Wahl“, inzwischen quält man sich aber oft mit der Entscheidung, was man kaufen soll, nicht mehr, denn man hat keine wirkliche Entscheidungsgrundlage mehr. Ich weiß oft nicht, nach welchem Kriterium ich aussuchen soll, da mir ein ganzes Bündel an Kriterien geboten werden. Das fängt an bei der Wahl der Nahrungsmittel im Supermarkt, geht über die Kommunikationsdienstleister bis hin zur Wahl der Schuhmarke.
Die Welt wird immer komplexer und den wirklichen Wegweiser durch diesen Dschungel haben wir noch nicht entwickelt.

#7 Starkiller am 23.08.07 um 13:30

Stimmt, ist ein ganz großes Problem.
Ich werde mir bald z.B. einen neuen Kühlschrank kaufen, da ich aber niemandem traue mich da wirklich gut zu beraten, wird mir also nichts anderes übrig bleiben als mich selber schlau zu machen.

#8 Kühlschrankkauf - Worauf achten? — Marnems Sicht der Dinge am 24.08.07 um 00:12

[…] August 2007 | Technisches |  Print This Post Wie Starkiller in einem Kommentar schreibt, muss er sich bald einen neuen Kühlschrank kaufen. Da Steffi und […]

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