BlogmedienTV – Nur mehr Werbung?

Screenshot von blogmedienTV

Unter blogmedien.de findet man das quirliges Blog von Horst Müller, Professor für Redaktionspraxis im Fachbereich Medien an der Hochschule Mittweida (FH). Über Abzocke bei Radio-Gewinnspielen und Manipulation in Fernsehsendungen wird hier berichtet, außerdem gibt es einmal im Monat BlogmedienTV, eine kleine Fernsehsendung ein kleines Magazin in Form eines Videos.

blogmedienTV berichtet – wie blogmedien.de – über Höhe- und Tiefpunkte aus Print, Radio, TV und Online, nur eben in Form eines Videomagazins.

Die aktuelle Ausgabe gibt sich die Überschrift „Fernsehen auf hoher See“ und berichtet unter anderem über das Bordfernsehen eines Kreuzfahrtschiffes, ein durchaus interessantes Thema. Ganze sechs der zehn Minuten wird diesem Thema gewidmet, ausgiebig werden Bilder vom Schiff und seinen Einrichtungen gezeigt und nebenbei 17 mal „AIDA“ in Form von „AIDA“, „AIDAdiva“, „AIDA TV“ oder „AIDA Cruises“ erwähnt. Mir kam diese Häufung spanisch vor, vor allem, weil kein einziges Konkurrenzunternehmen von „AIDA Cruises“ genannt wurde. Den Beitrag kann man sich auf blogmedien ansehen.

Ich habe per eMail nachgehakt und Professor Müller hat promt geantwortet:

  • Finanziert sich BlogmedienTV alleine über die Werbebanner im Blog?

    Professor Horst Müller: Das wäre schön, wenn sich das so finanzieren ließe :-). Nein , blogmedien ist ausschließlich ein recht zeitaufwendiges Hobby, das wir selbst finanzieren. Die Google-Ads tragen nicht allzuviel zur Finanzierung bei – wie jeder Google-Partner weiß.

  • Wieviel Zeit investieren Sie in etwa in die Produktion einer Sendung?

    Professor Horst Müller: Abgesehen von der Zeit für Aufnahmen und Interviews, je nach Sendung und Thema 1-2 Tage für die Texte und Endproduktion.

  • Wurde BlogmedienTV für den Bericht in „BlogmedienTV 18“ von AIDA Cruises finanziell oder personell unterstützt?

    Professor Horst Müller: Nein. Wir haben das eher nach dem Motto eines Ihrer Blogthemen realisiert: „Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen.“ Es hat einfach Spass gemacht, hinter die Kulissen der aufwendigen Medien- und Unterhaltungsmaschinerie der AIDAdiva zu schauen. Allerdings hatten wir vor Reiseantritt bei der Pressestelle von AIDA Cruises um Erlaubnis gebeten, Interviews an Bord führen zu dürfen und die Erlaubnis auch bekommen.

  • Warum wurde in „BlogmedienTV 18“ 17 mal AIDA, AIDAdiva, AIDA TV oder AIDA Cruises erwähnt, aber kein einziges mal ein Konkurrenzunternehmen?

    Professor Horst Müller: Weil wir ausschließlich die Macher von AIDA-TV bei der Arbeit beobachtet und mit ihnen gesprochen haben. Thema ist an sich nicht der Kreuzfahrttourismus, sondern vielmehr die Medien an Bord eines Schiffes. Lediglich zum Einstieg haben wir auf die steigende Nachfrage nach Schiffsreisen verwiesen. Dabei hat der Club-Direktor der AIDAdiva im O-Ton darauf verwiesen, dass sein Unternehmen nicht allein auf dem deutschen Markt ist.
    Habe übrigens gerade mal kurz gegoogelt: Schauen Sie doch mal auf einen Artikel aus dem Stern oder Die Welt, die über unterschiedliche Themen zur Aida berichten. Gut und gern kommen Sie auch hier auf zweistellige Nennungen von AIDA ohne Erwähnung von Konkurrenzunternehmen.

  • Warum durften in einem Bericht über das Bordfernsehen auf einem Kreuzfahrtschiff folgende Beschreibungen nicht fehlen (Hervorhebung besonderer Textstellen von mir)?
    • „Im April dieses Jahres wurde der neueste Luxusliner in den Dienst gestellt. Die AIDA Diva hat über 69.000 Bruttoregistertonnen ist 252 Meter lang und kann rund 2500 Gäste aufnehmen. In den kommenden beiden Jahren werden drei weitere Schiffe dieser Größenordnung vom Stapel laufen.“

      Professor Horst Müller: Luxusliner sind ein Synonym für Aida :-)
      Es ist eine Kurzbeschreibung des Schiffes und weiterführende Information.

    • „Die Route führte von Palma de Mallorca über Tunis, Malta, Sizilien und Neapel zurück nach Palma.“

      Professor Horst Müller: Wenn wir schon Aufnahmen und Interviews von Bord zeigen, wollen die Zuschauer sicherlich auch wissen, wann und wo wir unterwegs waren. Wir haben eben nicht an einem Hafentag mal eben vorbeigeschaut und diese Aussagen getroffen.

    • „Neben möglichst attraktiven Reisezielen, gutem Essen und komfortabler Ausstattung,“

      Professor Horst Müller: Wären die Reiseziele unattraktiv, das Essen schlecht und die Unterbringung miserabel, würde vermutlich niemand buchen…

      “ sind für den Erfolg von Kreuzfahrten vor allem reichhaltige Unterhaltungsangebote an Bord Ausschlag gebend.“

      Professor Horst Müller: Aus eigener Beobachtung und aus den Reaktionen und Berichten der Urlauber an Bord ist eindeutig zu entnehmen, dass die Shows auf dem Schiff ein wichtiger Pluspunkt für die Buchung der Reise sind.

      „Auf der AIDA Diva wurde für die aufwändig produzierten Shows ein Theater installiert, das über drei Schiffdecks reicht und in der Ausstattung an große Showrooms wie in Las Vegas erinnert.“
      „Bordradio und auch Bordfernsehen werden schon seit geraumer Zeit auf Kreuzfahrtschiffen angeboten, allerdings selten so professionell gestaltet und vor allem technisch so perfekt ausgestattet, wie auf der AIDAdiva.“

      Professor Horst Müller: Wie man meinem „Steckbrief“ auf www.blogmedien.de entnehmen kann, war ich früher Abteilungsleiter im Bereich Schiffsverkehr bei TUI und habe seitdem regelmäßig Kontakt zur Branche. Ich kann die technische Ausstattung der Schiffe auf dem deutschen Markt bestens einschätzen. Die Ausstattung auf der DIVA ist in der Tat vom Feinsten. Allein die Bühne des Theatriums ist mehrfach versenkbar. Die Technik, die zum Fernseh- und Boardradio gehört, ermöglicht Liveübertragungen von jedem Punkt des Schiffes. Auch das kann ich bestens einschätzen.

Zunächst möchte ich mich nochmal bei Professor Müller für die promte Beantwortung bedanken, die Fragen waren ja nicht unbedingt höflich formuliert und eine Antwort darum nicht selbstverständlich.

Trotzdem möchte ich dies nicht unkommentiert so stehen lassen, denn die beiden erwähnten Print-Artikel erwähnen den Firmennamen AIDA allerdings zwar häufig, wirken aber insgesamt auf mich nicht werbend.
Der verlinkte Stern-Artikel beschreibt die Schiffstaufe der AIDAdiva und erwähnt als einzige Eigenschaft des Schiffes den Baupreis. Die Fotostrecke und deren Bildunterschriften sind da allerdings von ganz anderem Charakter.
Der Artikel der WELT erwähnt zusätzlich auch bloß einen Teil der Lebensmittelvorräte:
„137.000 Eier, 40.500 Kilogramm Ananas, 94.000 Liter Fassbier und 5800 Hummer“

Alles in allem möchte ich sagen, dass mich Professor Müllers Aussage es sei kein Geld geflossen beruhigt, ich mir von einem Lehrenden an einer Hochschule, der Vorlesungen wie „Journalistische Grundlagen“ liest, mehr Sensibilität in Hinsicht auf einen eventuell werblichen Eindruck beim Zuseher erwarten würde.

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