Einträge vom Januar 2008 ↓

Barack Obama speaking at Dr. Martin Luther King Jr.’s church in Atlanta

Es ist jetzt zwei Minuten vor zwei Uhr Nachts und ich sitze noch hier am Computer. Ich weiß, eigentlich habe ich besseres zu tun. Eigentlich sollte ich schlafen. Aber ich kann nicht schlafen. Ich bin immer noch aufgewühlt, denn ich habe mir die aktuelle Wahlkampfrede von Barack Obama angesehen und diese hat mich zu Tränen gerührt. Eine Wahlkampfrede, man muss sich das mal vorstellen.

Ich bin nicht der Typ für Tränen und doch habe ich ein wenig geweint bei der Geschichte von Ashley Baia. Nicht nur deshalb lohnt es sich, Baracks Rede anzusehen. Die ersten 17 Minuten sind etwas trocken, denn Barack hält sich bis dahin ziemlich an sein Skript. Dann aber schwimmt er sich frei, bewegt und reißt mit, als er über „Hope“ spricht.


Barack Obama speaking at Dr. Martin Luther King Jr.’s church in Atlanta

via uswahl2008.de

Bild, PIN und Robert Koch

Ein kurzer Gedanke, den ich nicht durch Quellen belegen kann:

Im Dezember setzt sich die SPD gegenüber der CDU mit dem Mindestlohn im Postgeschäft durch.
Der Mindestlohn mindert die Erfolgsaussichten der Axel Springer AG Tochter PIN Group profitabel zu werden.
Die Axel Springer AG kann darum ihren Aktionären nicht mehr glaubhaft machen, dass sich das PIN Engagement lohnen wird und wird darum PIN kein weiteres Geld zuschießen.
PIN muss in Teilen Insolvenz anmelden, der Verlust für die Axel Springer AG dürfte im Bereich von 500 bis 750 Millionen Euro liegen (im Falle einer kompletten Insolvenz von PIN).
Die BILD-Zeitung ist eine im Axel Springer Verlag erscheinende Tageszeitung.
BILD sieht in der SPD den Schuldigen für die PIN Pleite.
„Der Feind meines Feindes ist mein Freund“
Die BILD will sich an der SPD rächen.
In Hessen finden die ersten Landtagswahlen des Jahres statt.
Am 18.12 erteilte Hessens Wirtschaftsministerium die Ausbaugenehmigung für den Frankfurter Flughafen, ohne das versprochene Nachtflugverbot.
In der Münchner U-Bahn kommt es am 22. Dezember zu einem Angriff Jugendlicher mit Migrationshintergrund.
Am 28.12 zieht Roland Koch, ähnlich dem Wahlkampf 1999, die „Ausländerkarte“.
Im Januar 2008 startet BILD eine Kampagne gegen „Ausländische kriminelle Jugendliche“.

Kursiv meine Schlussfolgerungen. Ich bin ja fast gespannt, welche Kampagnen der BILD für die nächsten Landtagswahlen einfallen.

„Rumänen sind niemals genau so pünktlich, präzise und zuverlässig wie Deutsche“

Der deutsche Arbeitsmarkt hat eine harte Woche hinter sich. Nachdem BMW letzte Woche angekündigt hat, 8000 Stellen abzubauen und die Deutsche Bahn den Tarifabschluß mit der GDL benutzt um die Beschäftigungsgarantie mit den Mitarbeitern aufzukündigen, kündigte Nokia gestern an, sein Werk in Bochum zu schließen.
2300 Mitarbeiter sind direkt von Nokias Entschluß betroffen und bis zu 2000 weitere bei Zulieferern und Zeitarbeitsfirmen. Als Begründung gab Nokia an, dass die Arbeitskosten in Deutschland bis zu zehnfach höher wie in Rumänien seien. Dazu seien die Arbeiter in Bochum ineffizient und unflexibel.
Weil Nokia nicht unbedingt schlecht auf dem Markt positioniert ist und hohe Gewinne einfährt, warf heute Morgen die Moderatorin des ZDF-Morgenmagazins Nokia Profitgier vor. Eine solche Steilvorlage konnte sich Jürgen Rütgers, NRW-Landesvater und ehemaliger Bundesbildungsminister, bekannt durch die Wahlkampfparole „Kinder statt Inder“, im Interview natürlich nicht entgehen lassen. Ohne Scham zog er das Klische des äußerst disziplinierten Deutschen aus der Tasche und reicherte es mit latenter Ausländerfeindlichkeit zu einem gefährlichen Gemisch an:

„Ausserdem kann mir keiner erklären, dass Arbeitnehmer in Rumänien genau so pünktlich, genau so präzise, genau so zuverlässig sind, wie die Mitarbeiter hier im Ruhrgebiet.“

(Siehe ZDF-Morgenmagazin vom 16.01.08 ca bei Minute 3)

So, so, niemand könne dies also dem CDU-Mann erklären. Wie soll man das auch tun, wenn Herr Rüttgers offensichtlich nicht zuhört, denn Nokia ist augenscheinlich genau dieser Meinung. Aber wer hört schon auf den Aufsichtsratschef eines äußerst erfolgreichen finnischen Unternehmens?

Disclaimer: Ich konnte Jürgen Rüttgers noch nie leiden. Ausländerfeindliche Äußerungen sind mir schon immer zuwider. Der Betreuer meiner Diplomarbeit stammt aus Rumänien und fordet von mir ein hohes Maß an Pünktlichkeit, Präzision und Zuverlässigkeit.

Gute Bildung kostet. Schlechte noch fiel Meer

Ein Plakat mit diesem Spruch hängt am Hohenzollernplatz, geklebt von der FDP im Kommunalwahlkampf.

Steffi und ich waren gerade auf dem Rückweg von einer Freundin, als wir im Bus sitzend das Plakat entdeckten. Steffi meinte, in der Grundschule würde sie den Schüler loben:

Toll, dass Du das „ie“ erkannt hast, aber die Erwachsenen schreiben es mit „v“ statt „f“. Das lange „e“ in „Meer“ mit „h“ statt mit zwei „e“

Wir wollten gerade aussteigen, als eine Sitznachbarin Steffi bat einen Blick auf ihr Handy zu werfen, ob man „Februar“ so schreiben würde…

Die FDP plakatiert diesen Spruch anscheinend seit 2001.