Bild, PIN und Robert Koch

Ein kurzer Gedanke, den ich nicht durch Quellen belegen kann:

Im Dezember setzt sich die SPD gegenüber der CDU mit dem Mindestlohn im Postgeschäft durch.
Der Mindestlohn mindert die Erfolgsaussichten der Axel Springer AG Tochter PIN Group profitabel zu werden.
Die Axel Springer AG kann darum ihren Aktionären nicht mehr glaubhaft machen, dass sich das PIN Engagement lohnen wird und wird darum PIN kein weiteres Geld zuschießen.
PIN muss in Teilen Insolvenz anmelden, der Verlust für die Axel Springer AG dürfte im Bereich von 500 bis 750 Millionen Euro liegen (im Falle einer kompletten Insolvenz von PIN).
Die BILD-Zeitung ist eine im Axel Springer Verlag erscheinende Tageszeitung.
BILD sieht in der SPD den Schuldigen für die PIN Pleite.
„Der Feind meines Feindes ist mein Freund“
Die BILD will sich an der SPD rächen.
In Hessen finden die ersten Landtagswahlen des Jahres statt.
Am 18.12 erteilte Hessens Wirtschaftsministerium die Ausbaugenehmigung für den Frankfurter Flughafen, ohne das versprochene Nachtflugverbot.
In der Münchner U-Bahn kommt es am 22. Dezember zu einem Angriff Jugendlicher mit Migrationshintergrund.
Am 28.12 zieht Roland Koch, ähnlich dem Wahlkampf 1999, die „Ausländerkarte“.
Im Januar 2008 startet BILD eine Kampagne gegen „Ausländische kriminelle Jugendliche“.

Kursiv meine Schlussfolgerungen. Ich bin ja fast gespannt, welche Kampagnen der BILD für die nächsten Landtagswahlen einfallen.

„Rumänen sind niemals genau so pünktlich, präzise und zuverlässig wie Deutsche“

Der deutsche Arbeitsmarkt hat eine harte Woche hinter sich. Nachdem BMW letzte Woche angekündigt hat, 8000 Stellen abzubauen und die Deutsche Bahn den Tarifabschluß mit der GDL benutzt um die Beschäftigungsgarantie mit den Mitarbeitern aufzukündigen, kündigte Nokia gestern an, sein Werk in Bochum zu schließen.
2300 Mitarbeiter sind direkt von Nokias Entschluß betroffen und bis zu 2000 weitere bei Zulieferern und Zeitarbeitsfirmen. Als Begründung gab Nokia an, dass die Arbeitskosten in Deutschland bis zu zehnfach höher wie in Rumänien seien. Dazu seien die Arbeiter in Bochum ineffizient und unflexibel.
Weil Nokia nicht unbedingt schlecht auf dem Markt positioniert ist und hohe Gewinne einfährt, warf heute Morgen die Moderatorin des ZDF-Morgenmagazins Nokia Profitgier vor. Eine solche Steilvorlage konnte sich Jürgen Rütgers, NRW-Landesvater und ehemaliger Bundesbildungsminister, bekannt durch die Wahlkampfparole „Kinder statt Inder“, im Interview natürlich nicht entgehen lassen. Ohne Scham zog er das Klische des äußerst disziplinierten Deutschen aus der Tasche und reicherte es mit latenter Ausländerfeindlichkeit zu einem gefährlichen Gemisch an:

„Ausserdem kann mir keiner erklären, dass Arbeitnehmer in Rumänien genau so pünktlich, genau so präzise, genau so zuverlässig sind, wie die Mitarbeiter hier im Ruhrgebiet.“

(Siehe ZDF-Morgenmagazin vom 16.01.08 ca bei Minute 3)

So, so, niemand könne dies also dem CDU-Mann erklären. Wie soll man das auch tun, wenn Herr Rüttgers offensichtlich nicht zuhört, denn Nokia ist augenscheinlich genau dieser Meinung. Aber wer hört schon auf den Aufsichtsratschef eines äußerst erfolgreichen finnischen Unternehmens?

Disclaimer: Ich konnte Jürgen Rüttgers noch nie leiden. Ausländerfeindliche Äußerungen sind mir schon immer zuwider. Der Betreuer meiner Diplomarbeit stammt aus Rumänien und fordet von mir ein hohes Maß an Pünktlichkeit, Präzision und Zuverlässigkeit.

Gedanke des Tages

Farlion fast präzise zusammen, worum es in unserem Kampf gegen Stasi 2.0 geht:

Es ist nicht ausschlaggebend, was mit den gesammelten Daten gemacht wird, sondern was damit gemacht werden kann, denn wer weiß schon, wer in 10 Jahren an der Regierung ist und wozu diese Daten dann Verwendung finden.

Genau so schauts aus. Stellt euch vor, der nächste Bundeskanzler würde der „brutalst mögliche AufklärerRoland Koch (CDU) und wer nach seiner Auffassung alles als möglicher Gefährder in Betracht käme…

Weil ich es nicht kann!

Das sagte Jörg Schönbohm (CDU), seines Zeichens Innenminister des Bundeslandes Brandenburgs auf die Frage, warum er denn kein Online-Banking mache. Gesagt hat er dies gestern in der WDR Sendung Hart Aber Fair.
Wohl gemerkt, schon vor vier Jahren gab es über 30 Millionen Online-Banking Konten in Deutschland…

[Nachtrag] Das Zitat stammt ungefähr von Minute 14:40

Die CSU zeigt ihr wahres Gesicht – Verwirrte Spinner in hohen Positionen

Christlich soziale Union, so nennt sich die Freunderlwirtschaft, der auch unser aller Beckstein angehört. Heute soll es aber mal nicht um dessen verrückte Ideen gehen, sondern um ein paar andere Spinnereien seiner Parteifreunde.

Der große Aufreger der letzten Woche waren ja die ach so provokanten Fotos der Fürther Landrätin Gabriele Pauli. Da hat es sich die Dame doch nicht nehmen lassen, sich in für eine Politikerin ungewohnten Posen ablichten zu lassen. Zu allem Überfluß trug sie auf manchen Aufnahmen auch noch Latex Handschuhe. Ach nein, wie schlimm. Aus Sicht der CSU ist die Aufregung aber natürlich verständlich, denn wer Frauen nur am Herd sehen will, für den wäre eine Domina natürlich dem Anblick einer Satansfratze gleich zu setzen. Dass Frau Pauli durchaus auch im echten Leben nicht kuscht, hat ja ihr Streit mit dem Ede bewiesen. Endlich ergibt sich nun eine Möglichkeit zurückzuschlagen

Der CSU-Europa-Abgeordnete Markus Ferber sagte der Bild-Zeitung: „Irgendwann ist eine Grenze erreicht, wo man die Frage stellen muss, ob Frau Pauli noch in der CSU bleiben kann. Diese Grenze ist mit den Latex-Fotos überschritten.“

Hintergrund sind Fotoveröffentlichungen, die Frau Pauli unter anderem mit schwarzen Latex-Handschuhen zeigen. Der CSU-Landtagsabgeordnete Ludwig Spaenle warf der Landrätin parteischädigendes Verhalten vor.

„Durch ihre Profilgeilheit schädigt Frau Pauli die Partei jeden Tag aufs Neue“, sagte er der Zeitung. Parteischädigendes Verhalten ist dem Blatt zufolge nach Paragraf 61 der CSU-Satzung ein Ausschlussgrund.

CSU-Rechtsexperte Norbert Geis forderte: „Die Partei darf sich von Frau Pauli nicht länger lächerlich machen lassen!“

So schreibt die Süddeutsche.

Aber das ist natürlich nicht die einzige Baustelle in der CSU, denn in Regensburg war am Wochenende die Wahl zum Kreisvorsitzenden. Eigentlich natürlich irrelevant für die Bundesbühne, wäre da nicht etwas Zunder drin. Die Situation:
Regensburg hat einen Oberbürgermeister Namens Hans Schaidinger und einen Stadtrat Namens Thomas Fürst, beide CSU und sich spinnefeind. Nun ergab es sich, dass der Herr Fürst im Februar bei der Wahl eines Ortsverbandes mit 25 Neumitgliedern im Schlepptau auftauchte und sich zum Vorsitzenden des Ortsverbandes wählen lies. Die CSU-Oberen in Regensburg waren natürlich nervös, wie sollte man den verhindern, denn verhindern, dass ähnliches bei der Wahl des Kreisvorstands passiere? Fürst hat sich nicht selbst um den Posten beworben, sondern nur einen seiner Bekannten damit versorgt, was aber auch schon dazu führte, dass der gesamte Kreisvorstand zurück trat. Nettes Chaos das. Die Tatsache, dass Thomas Fürst Rechtsradikale Umtriebe vorgeworfen werden, sorgt aber natürlich nicht dafür, dass ein CSU-Häuptling aus München seinen Parteiausschluß fordert. Zumindest, solange er keine Latexhandschuhe trägt, vermute ich…