Weckruf für Deutschland

Über die Pläne unseres innig geliebten Innenministers Schäuble habe ich ja schon öfter geschrieben. Ihr, als meine Leser hat auch schon des öfteren darüber gelesen. Bis in die Politik haben sich die Warnungen, Mahnungen und Hilferufe noch nicht herumgesprochen. Von den großen Massenmedien mal ganz zu schweigen.
Aus einem Artikel im Schnüffelblog hat sich ein Aufruf entwickelt, der dem Abhilfe schaffen könnte:

Lasst uns einfach alle am 20. Juni um 4:22 (ist schlicht die Uhrzeit jetzt gerade) aufstehen, auf die Straße gehen, und im Schutz der Dunkelheit einmal alle Nachbarn wachbrüllen:

“AUFWACHEN! DEUTSCHLAND ENTWICKELT SICH GERADE ZUM ÜBERWACHUNGSSTAAT! TUT ENDLICH WAS!”

Eine interessante Idee. Hört sich nach einer Aktion im Flashmob-Stil an. Sollten wir mal drüber nachdenken. Fänden sich ausreichend Leute, die Mitmachen, dann würden sicher auch die traditionellen Medien darüber berichten.
Erweiterung der Idee:

  • Taschenlampe und Megaphon mitnehmen
  • Nicht nur obigen Aufruf, sondern noch zwei oder drei Sätze zur Erklärung brüllen
  • Mit der Handycam aufnehmen und bei myvideo, sevenload, youtube, etc posten. Unter einer CC-Lizenz freigeben, damit ggf jemand ein schönes Video aus allen Aktionen zusammenschneiden kann und die Fernsehsender es mit höherer wahrscheinlichkeit zeigen

Ja, kann ich mir lustig vorstellen :-)

“Alles hat zwei Seiten, warum gehst Du immer vom Schlimmsten aus?”

Das hat mich Steffi heute gefragt, als ich mal wieder über das Thema “Innere Sicherheit” mit ihr gestritten habe. Ich sage euch, es ist hart, eine zukünftige Beamtin mit der entsprechenden Einstellung als Partnerin zu haben.

Gestritten haben wir über den Inhalt eines Videos, dass man bei Sevenload findet:

Link: sevenload.com
via Thomas Knüwer
In dem Video beschreibt Jimbo Wales, der Gründer der Wikipedia, zwei konträre Blickwinkel auf die Gesellschaft mittels einer Metapher:
Man stelle sich vor, man wolle ein Restaurant betreiben und plane es von Grund auf neu. Man nehme weiter an, man wolle Steaks servieren. Daraus ergibt sich, dass die Gäste Zugang zu Messern haben müssen und wenn Menschen Messer in den Händen haben, kann es sein, dass sie damit andere Menschen erdolchen. Nun könnte man jeden Gast in eine Käfig setzen, um dies zu verhindern. Oder man geht einfach davon aus, dass nicht immer gleich das schlimmst passiert.

Diese Metapher beschreibt ganz gut, in welcher Zwickmühle jeder Innenminister steckt, denn wenn er für absolute Sicherheit sorgt, dann setzt er uns in einen Käfig. Tut er dies aber nicht und ein Verbrechen passiert, dann ist er dran, weil er es Verhindern hätte müssen.

Genau hier setzen meine Streitereien mit Steffi immer an:

  • Ich gehe immer davon aus, dass die ganzen Ideen der Innenminister überflüssig sind, da der Zugewinn an Sicherheit in keinem Verhältnis zur Einschränkung der Freiheit steht und sehe oft genug sogar die Gefahr, dass das Menschenbild, von dem die Ideen ausgehen, Verfassungsfeindlich sind. Ich glaube also daran, dass die Bürger und Besucher Deutschlands nicht so böse und gefährlich sind, wie die Minister sie darstellen, gehe aber davon aus, dass die Freiheitseinschränkungen von der Exekutive im schlimmsten Maße ausgenutzt werden.
  • Steffi und die Innenminister hingegen verlassen sich hingegen darauf, dass die ganzen Beamten schon nichts böses treiben und sich nicht nur an den Buchstaben des Gesetzes, sondern sogar an die Intention der Gesetzgeber halten. Die Freiheitseinschränkungen hingegen seien ja im Vergleich zum Sicherheitsgewinn vernachlässigbar.

Erkennt ihr das Dilemma? Beide Seiten gehen davon aus, das bestimmte Bevölkerungsgruppen besser als ihr Ruf, andere hingegen schlechter sind. Beide Seiten sehen sich also bedroht vom jeweils anderen.

Mir gibt das ziemlich zu denken.
Wir sind das Volk!
Wir alle, ob Beamter, Minister, Arbeitsloser, Arbeitender, Schüler oder Studenten.

Warum arbeiten wir eigentlich so sehr gegeneinander?
Warum sieht der Staat in Form mancher Volksvertreter in uns potentielle Gefährder?
Warum sehen wir in Teilen der Legislative und der Exekutive potentielle Gefährder?

Und warum, verflixt noch mal, wollen wir alle nur Überwachen? Die eine Seite die Bürger, die andere fordert vom Staat mehr Transparenz, um ihn besser überwachen bzw überprüfen zu können.
Wie konnte es nur dazu kommen, das wir dem Staat und er uns nicht traut?
Denn eigentlich sollten wir das doch tun, schließlich sind wir nicht nur das Volk, sondern auch der Staat!

Deutsche Blogger – faule Säcke?

Chris von F!XMBR fragt “Wo sind die Inhalte?“, nachdem er sich gestern 30 deutsche Top Blogs angesehen und deren Artikel ausgewertet hat. Diese 30 Blogs haben gestern 100 Artikel verfasst, wobei 45 davon aus einem Link mit bis zu vier Sätzen Erläuterung und einem Zitat bestanden, dazu kommen dann noch Neun Links auf Youtube Videos. Gerade mal 20 Artikel würde er als eigenen Inhalt bezeichnen.
Aus diesen Zahlen schließt Chris, dass die deutsche Blogosphäre in sich gefangen ist. Er wirft die Frage auf, wie viele der zusammen rund 15000 Unique IPs der drei Blogs Blogbar, Spreeblick und F!XMBR wirklich differenzierbare Leser sind, damit wie viele Menschen sich in der deutschen Blogosphäre tummeln und somit ob diese überhaupt für werbetreibende interessant sein kann. Als Beispielhaft verweist Chris auf die “Popular Blogs” Liste von Technorati, da die dort aufgeführten Blogs doch viel mehr und viel bessere eigene Inhalte produziert werden.

Chris hat sicher recht. Das 19 der 100 Artikel von nur einem Blogger stammen und dieser die Statistik etwas verzerrt ändert aber nichts an der Situation: Einen guten Artikel zu schreiben benötigt Zeit. Schnell sitzt man eine Stunde und länger, wenn der Artikel auch nur halbwegs mit Links ausgestattet und nachrecherchiert ist. Diese Zeit hat aber nicht jeder. Auch hat man nicht jeden Tag ein gutes Thema auf der Pfanne. Vor allem, da das Blog ja nicht den Lebensunterhalt finanziert.
Sehen wir uns aber mal die gelobten Blogs aus der popular List an:

  • Neun der Top Ten Blogs sind Gruppenblogs und alle zehn sind englischsprachig
  • Nur eines der zehn ist nicht mit reichlich Werbebannern zugepflastert
  • Nur eines der zehn hat ein länderspezifisches Thema
  • Vier der zehn haben als Thema technische Gadgets, in Deutschland deckt heise dieses Thema ab
  • Eines ist ein Politblog, von der Aufmachung und dem Feeling her entsprechend einer überregionalen deutschen Tageszeitung

Die deutsche Blogosphäre ist gegenüber der englischen kleiner, weniger professionalisiert und alles in allem noch ungeübt. Aber potentiell 1350 Millionen englischsprachige Leser bringen auch mehr guter Schreiber hervor, als die 155 Millionen deutschsprachigen. Aufgrund der höheren Leserzahl verdient ein englisches Blog auch potentiell mehr, als ein deutsches und dies wiederum bedingt eine grössere Professionalität.

Ich stimme Chris zu, dass die deutsche Blogosphäre wahrlich dringendere Probleme hat, als sich der werbenden Industrie an den Hals zu werfen. Ob aber das anstreben der Verhältnisse der US-Blogosphäre aber wünschenswert ist, lasse ich mal dahingestellt. Ich für meinen Teil lese einfach nur die Blogs, die mir gefallen, was dazu führt, dass die Blogs aus den deutschen Top 100 nicht einmal 1/3 meiner Blogs ausmacht.

Sind wir alle krank?

Ich mag das ZDF.
Ich gucke gerne ZDF.
Aber warum müssen vor einer Vorabendsendung acht (8 !!!!) Werbespots in Folge sich nur um das Thema Gesundheit drehen? Gegen Venenleiden, Hautstraffen, Abwehrkräfte, Nahrungszusätze, Anti-Korrodierende-Reinungsmittel für die dritten Zähne, etc. Der KOMPLETTE Werbeblock nur Werbung, der als Zielgruppe nur Menschen über 50 hat.

Kein Wunder, dass junge Menschen das ZDF meiden….

[edit] Inhalt des Werbeblocks während der Sendung:
Zahnpasta, Pflanzendünger, Apotheken Umschau, Arznei für schönere Haut, Yogurt-drink, Haar-Tönungscreme, Schlaftabletten, Waschmittel, Optiker, Staubsauger

Polizisten sind auch nur Menschen und somit potentielle Terroristen

Unser aller Liebling Schäuble meinte neulich, dass niemand Angst vor dem Bundestrojaner haben müsse, schließlich könne man der Polizei ja vertrauen. Nun ja, ich weiß ja nicht:

Und da wundert sich der Schäuble, warum wir Politiker für lächerlich halten, die behaupten, die Polizei tut ja nix, die will ja nur spielen ermitteln…
Ob sich Schäubelchen mal Gedanken gemacht hat, wem er da das Recht geben will, in unsere Rechner zu gucken, unsere Kommunikationsdaten zu speichern, die Mautbrücken abzufragen oder Fingerabdrücke zu speichern…

Der Schäuble-Katalog – Widerstand von allen Seiten

Der Schäuble-Katalog, eine Sammlung des who-is-who der Ideen zum Ende der Privatsphäre, dem Abbau von Bürgerrechten und dem Traum des Big Brother wird von allen Seiten abgewatscht. Neben den Üblichen Verdächtigen, also den Datenschützern und der Blogosphäre, kommt Kritik von ganz unerwarteter Seite. Neben dem Chef der Gewrkschaft der Polizei (via heise newsticker), wehrt sich nun auch die SPD. Trotzdem glaube ich nicht, dass diese Schlafmützen aufwachen und merken, mit wem sie sich vor 1 1/2 Jahren ins Bett gelegt haben. Die Aussicht, dass eine Frau mit dabei ist, hat sie ganz übersehen lassen, welcher Part ihr in diesem Lotterbett zugedacht war…

Schacht Konrad genehmigt

Es ist soweit: Deutschland hat sein erstes Atommüllendlager

Zumindest fast. Es wird wohl noch fünf bis sechs Jahre dauern, bis der Schacht Konrad in Salzgitter soweit ausgebaut ist, das niedrig radioaktiver Atommüll eingelagert werden kann, aber die Gerichtsprozesse um die Genehmigung von 2002 gingen gestern zu Ende. In Salzgitter soll “schwach- und mittel-radioaktiver Abfall aus ganz Deutschland dauerhaft unter der Erde eingeschlossen werden. Solcher Müll fällt in Kraftwerken, Forschungslaboren, Kliniken oder der Industrie an. Derzeit kann dieser Abfall nur in Zwischenlager gebracht werden.

Ein Tag zum Feiern. Für die Atomwirtschaft.
Und für mich auch. Ich bin gegen Atomkraft, aber um deren Atommüll geht es hier nicht. Ich bin aber der Festen Überzeugung, dass es gut ist, das wir den Atommüll, den wir in Deutschland produzieren auch in Deutschland Endlagern und ihn nicht in irgend ein armes Land liefern. Wir werden uns nicht vor unserer Verantwortung drücken, die Suppe die unsere Väter und wir uns eingebrockt haben auszulöffeln.

Atomkraft, nein Danke!