Datensicherheit – Eine interessante Artikelserie

Pierre vom Samthammel Blog schreibt gerade eine sieben-teilige Artikelserie über das Thema Datensicherheit.
In der Informationsgesellschaft sind Daten (fast) die wichtigsten Dinge in unserem Leben. Unser Kontostand, das Vorstrafenregister oder unsere Besitzverhältnisse, alle liegen sie nur noch Digital als Datensätze vor. Diese Daten werden professionell verwaltet und sind hoffentlich gut gesichert. Viel persönlichere Dinge aber, seien es private Fotos, Kommunikation oder niedergeschriebene Gedanken schlummer ausschließlich auf unseren Festplatten und sind dort meist ungeschützt. Pierre erklärt in seiner Serie wie man Emails und Dateien verschlüsselt, ordentliche Backups anlegt und dafür sorgt, dass die Kommunikation im Internet nicht abhörbar ist. Im einzelnen sind seine Themen:

  1. Lokal mit PGP
  2. Im Internet mit Jabber
  3. Lokal mit Truecrypt
  4. Im Internet mit Tor
  5. Lokal mit (Deltacopy-)Backups
  6. Im Internet durch Nichtnutzung von Funktionen
  7. Lokal mit Windows

Bisher sind Teil 0 (Einleitung) und Teil 1 erschienen. Es lohnt sich, mal reinzugucken und seine Tipps zu beherzigen. Ich habe es getan und mir (endlich) PGP geholt, um Emails signieren und verschlüsseln zu können. Meinen öffentlichen PGP-Key bekommt ihr, wenn ich auf „Weiterlesen“ klickt.
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Wenn der Postmann zweimal klingelt – ist es MyMuesli-Time

Zwei entpackte MyMueslidosen, Schülerschreck und Blogsprit
Zwei MyMueslidosen, frisch vom Hermesfahrer abgeworfen

Heute Nachmittag kam endlich der Hermesbote mit den MyMuesli-Dosen an. Laut „Paketaufkleber“ hat Hermes die Dosen am 01.6.07 in Empfang genommen, also eine ganze Woche für die 200 km Fahrtstrecke gebraucht. Postkutschen wären schneller gewesen…

Nun gut, wenigstens waren die beiden Dosen (Schülerschreck für Steffi, Blogsprit für mich) unbeschädigt und das ist ja das wichtigste.

Was mich ziemlich verwundert hat, war die Größe der Dosen. 27 cm hoch und 9,5 cm Durchmesser sind schon nicht ohne. Die Wandstärke ist ordentlich, ich möchte keine der Dosen übergebraten bekommen…

Verschlossen sind die Dosen an beiden Enden mit Plastikdeckeln. Nach dem Öffnen des Deckels hat man eine Alufolie vor sich, die das Müsli vakuumverpackt.

Schülerschreck-Müslimischung in der Dose

Und fürs nächste mal lerne ich auch, dass ich das Handy quer halten muss, wenn ich meine Videos hochkant haben will…

Im Video kann man schon erkennen, dass die beiden Dosen einen verschiedenen Füllstand haben. Blogsprit wiegt 661g und Schülerschreck 652g, jeweils mitsamt der Dose. Die Füllstandsunterschiede kann das aber nicht erklären, Schülerschreckt wiegt bei gleichem Volumen einfach mehr.

Schülerschreck in der Tasse
Blogsprit in der Tasse
Blogsprit in Milch, lecker

Wie versprochen haben Steffi und ich unsere Müsli dann auch gleich einem Geschmackstest unterzogen. Wie ihr Schülerschreck geschmeckt hat, könnt ihr bei ihr im Blog lesen.
Mein Blogsprit schmeckt auf jeden Fall sehr lecker. Im Gegensatz zum Aldi-Schokomüsli, dass ich sonst esse, schmeckt man deutlich mehr Geschmacksnuancen heraus. Außerdem ists deutlich knackiger und man hat mehr zu kauen, was ich sehr gut finde.
Die Kehrseite des Bio-Müslis ist natürlich, dass kein Zucker zugesetzt wurde. Üblicherweise habe ich einen Esslöffel Kaba in der Milch und dementsprechend süß schmeckt es dann auch. Morgen werde ich mal einen halben Esslöffel mit Blogsprit versuchen, denn ich befürchte, dass zu viel Kaba das Geschmackserlebnis des Müslis überdecken würde.
Nach einem ersten, kurzen Test, würde ich bei der nächsten Bestellung 2xFeigen und 2xCranberries statt jeweils nur einmal nehmen, weil va die Cranberries absolut spitze schmecken.

An dieser Stelle möchte ich mich nochmal bei Marco aka Starkiller von Epstacy.de für sein Sponsoring bedanken.

Demonstrieren 2.0

Macht eine Demonstration noch Sinn?“ fragt sich Boje nach den Bildern vom Samstag und verweist vor allem auf ein Artikel der Zeit. Meiner Meinung nach machen Demonstrationen weiter Sinn, allerdings nicht mehr unbedingt in der bisherigen Form.

Wiki definiert:

Eine Demonstration (von lat.: demonstrare, zeigen, hinweisen, nachweisen, Kurzform: Demo) ist eine in der Öffentlichkeit stattfindende Versammlung mehrerer Personen zum Zwecke der Meinungsäußerung.

Und genau hier steht das Entscheidende: Eine Demo dient dem Zweck der Meinungsäußerung.
Eine Demo hat also nicht den Sinn und Zweck aktiv etwas zu verhindern, sondern „nur“, den Demonstrierenden ein Forum in der Öffentlichkeit zu bieten. In den letzten Jahren hat sich das, was öffentlich ist, sehr verändert.

Mit den technischen Mitteln von vor 100 Jahren mussten Demonstrationen so ablaufen, wie das, was wir in Rostock anfangs gesehen haben. Große Menschenmengen, die sich nahe am Ort des Geschehens, gegen das sie protestieren, im öffentlichen Raum einer Stadt zu treffen. Damals war diese Form zeitgemäß, denn es gab die Massenmedien noch nicht, die wir heute haben.

Die Massenmedien Rundfunk und Überregionale Zeitungen verbunden mit der Pressefreiheit löst die Ortsgebundenheit einer Demonstration auf. Auch hier in München kann ich live sehen, was auf einer Demo in Rostock passiert.
Warum wird dann aber in Rostock demonstriert?
Warum finden Demonstrationen noch immer in Städten statt?

Städte sind für Demonstrationen eigentlich denkbar ungeeignet.

  • Städte sind eng: Nur selten gibt es Plätze, auf denen alle Demonstrierende zusammen vor einer Bühne stehen können und dort den Reden der Veranstalter lauschen und deren Argumente durch ihre Anwesenheit unterstreichen.
  • Städte sind eng: Über enge Straßen auf vorbestimmten Routen bahnen sich die Menschen ihren Weg zum Kundgebungsort. Passiert etwas auf dem Weg (zB ein Demonstrant bekommt einen Herzinfarkt) können Hilfskräfte nur schwer vor Ort kommen. Bricht eine Massenpanik aus, wird es schwer zu flüchten.
  • Städte sind unübersichtlich: Den Kamerateams fällt es so nicht leicht, medienwirksame Bilder einzufangen.
  • Städte sind wertvoll: Überall finden sich in Städten Wertgegenstände, die zerstört, beschädigt oder geklaut werden können.
  • Städte sind gefährlich: Schnell lässt sich Umherstehenden als Waffe missbrauchen

Als Beispiel möchte ich den Papstbesuch des letzten Jahres heranziehen. Auch dieser war eine einzige, große Demonstration. Eine Demonstration der Stärke des Katholizismus in Deutschland. Auch hier gab es Großkundgebungen.
Eine fand in Regensburg statt. Aber nicht im Stadtkern, sondern 5 Kilometer entfernt auf der grünen Wiese. Rettungskräfte konnten hier schnell zu den Verletzten, bei einer Massenpanik hätte in jede Himmelsrichtung geflüchtet werden können, die Kamerateams konnten Phantastische Aufnahmen der gesammelten Schaar machen und falls Krawallmacher zu stören versucht hätten, so hätten sie nicht zu werfen gefunden, außer Erde, Kieselsteinen oder Mitgebrachtem.

Wir leben im Zeitalter der Massenmedien, wir sind dank Auto, Bahn, Schiff und Flugzeug unheimlich mobil.
Warum also an dem Ort demonstrieren, an dem die größt mögliche Gefahr für Leib und Leben der Demonstranten und unbeteiligter Bürger ist?
Warum nicht in der Nähe von Kassel demonstrieren? Kassel liegt verkehrsgünstiger, viele Demonstranten hätten einen kürzeren Anfahrtsweg und würden darum in größerer Anzahl erscheinen und die Kamerateams wären trotzdem in großer Zahl erschienen und hätten die Botschaft in alle Welt transportiert. Dafür hätten wir uns diese hässlichen Bilder der Zerstörung und Gewalt gespart und könnten nun über die Argumente der Gipfelgegner diskutieren, statt über die Idiotie der Krawallmacher.

G8, Demos, Autonome und Razzien

Ich habe mich bisher aus der ganzen G8 Geschichte raus gehalten.
Ich habe mit der G8 kein Problem, auch mit den Gegnern nicht, solange sie sich wie zivilisierte Menschen benehmen.
Ich war 1998 in Bonn bei der Bundesdelegiertenkonferenz von Bündnis90/Die Grünen, auf der die Koalition mit der SPD beschlossen wurde.
Ich war einer der rund zehn, die dagegen gestimmt haben.
Ich war der einzige, der auf dem Podium Redezeit bekam und vor der Koalition warnte, warnte, dass wir über den Koalitionstisch gezogen würden.
Ich war zuvor aber auch auf einer Demo nahe der Beethovenhalle, bei der ich nur kurz vor knapp flüchten konnte. Kurz vor knapp bevor Pflastersteine gegen die Polizei flogen. Wäre ich damals nur 10 Minuten später aufgebrochen, wäre ich in der eingekesselten Gruppe gestanden.

Bei den Szenen, die heute aus Rostock zu sehen waren, packt mich die blanke Wut. Aber lest am besten Farlions Artikel Autonome sind Idioten, dem ich bis auf den vorletzten Absatz („Schade um jeden Schlag, der vorbei geht…“) absolut zustimmen kann.

Bis sich die Lage nach dem G8 Gipfel beruhigt hat, wir harte Fakten und Hintergründe kennen, werde ich zu den ganzen Geschehnissen nichts sagen. Ich habe keine Quellen aus Rostock und Umgebung, müsste daher von anderen abschreiben und mich auf deren Quellen verlassen. Das mag ich nicht. Da ist mir zu viel Dampf unterm Deckel, als dass ich es riskieren möchte, an der falschen Stelle wegen mangelnder Informationen das Ventil zu öffnen.

„Alles hat zwei Seiten, warum gehst Du immer vom Schlimmsten aus?“

Das hat mich Steffi heute gefragt, als ich mal wieder über das Thema „Innere Sicherheit“ mit ihr gestritten habe. Ich sage euch, es ist hart, eine zukünftige Beamtin mit der entsprechenden Einstellung als Partnerin zu haben.

Gestritten haben wir über den Inhalt eines Videos, dass man bei Sevenload findet:

Link: sevenload.com
via Thomas Knüwer
In dem Video beschreibt Jimbo Wales, der Gründer der Wikipedia, zwei konträre Blickwinkel auf die Gesellschaft mittels einer Metapher:
Man stelle sich vor, man wolle ein Restaurant betreiben und plane es von Grund auf neu. Man nehme weiter an, man wolle Steaks servieren. Daraus ergibt sich, dass die Gäste Zugang zu Messern haben müssen und wenn Menschen Messer in den Händen haben, kann es sein, dass sie damit andere Menschen erdolchen. Nun könnte man jeden Gast in eine Käfig setzen, um dies zu verhindern. Oder man geht einfach davon aus, dass nicht immer gleich das schlimmst passiert.

Diese Metapher beschreibt ganz gut, in welcher Zwickmühle jeder Innenminister steckt, denn wenn er für absolute Sicherheit sorgt, dann setzt er uns in einen Käfig. Tut er dies aber nicht und ein Verbrechen passiert, dann ist er dran, weil er es Verhindern hätte müssen.

Genau hier setzen meine Streitereien mit Steffi immer an:

  • Ich gehe immer davon aus, dass die ganzen Ideen der Innenminister überflüssig sind, da der Zugewinn an Sicherheit in keinem Verhältnis zur Einschränkung der Freiheit steht und sehe oft genug sogar die Gefahr, dass das Menschenbild, von dem die Ideen ausgehen, Verfassungsfeindlich sind. Ich glaube also daran, dass die Bürger und Besucher Deutschlands nicht so böse und gefährlich sind, wie die Minister sie darstellen, gehe aber davon aus, dass die Freiheitseinschränkungen von der Exekutive im schlimmsten Maße ausgenutzt werden.
  • Steffi und die Innenminister hingegen verlassen sich hingegen darauf, dass die ganzen Beamten schon nichts böses treiben und sich nicht nur an den Buchstaben des Gesetzes, sondern sogar an die Intention der Gesetzgeber halten. Die Freiheitseinschränkungen hingegen seien ja im Vergleich zum Sicherheitsgewinn vernachlässigbar.

Erkennt ihr das Dilemma? Beide Seiten gehen davon aus, das bestimmte Bevölkerungsgruppen besser als ihr Ruf, andere hingegen schlechter sind. Beide Seiten sehen sich also bedroht vom jeweils anderen.

Mir gibt das ziemlich zu denken.
Wir sind das Volk!
Wir alle, ob Beamter, Minister, Arbeitsloser, Arbeitender, Schüler oder Studenten.

Warum arbeiten wir eigentlich so sehr gegeneinander?
Warum sieht der Staat in Form mancher Volksvertreter in uns potentielle Gefährder?
Warum sehen wir in Teilen der Legislative und der Exekutive potentielle Gefährder?

Und warum, verflixt noch mal, wollen wir alle nur Überwachen? Die eine Seite die Bürger, die andere fordert vom Staat mehr Transparenz, um ihn besser überwachen bzw überprüfen zu können.
Wie konnte es nur dazu kommen, das wir dem Staat und er uns nicht traut?
Denn eigentlich sollten wir das doch tun, schließlich sind wir nicht nur das Volk, sondern auch der Staat!

Politik vernichtet den Rechtsstaat

„Die Politik vernichtet den Rechtsstaat“
So warnt Prof. Peter-Alexis Albrecht, Strafrechtler an der Uni Frankfurt, in einem Interview von Frontal21.
Das Interview kann man sich in der ZDFmediathek ansehen.

Wortlaut des Interviews

  • Frontal21: Herr Professor Albrecht, was für eine Entwicklung in dem Bereich Prävention sehen Sie, wenn Sie die Veränderung in der Strafprozessordung bei Gesetzen, die der inneren Sicherheit dienen sollen, in den letzten Jahren betrachten?

    Prof Albrecht: Die Gesellschaft vergibt das wichtigste was sie hat, nämlich das Recht. Die Demokratie lebt vom Recht. Das Recht hat Stärke zu beweisen, dass ist das, was unser Staat und unsere Gesellschaft hat und vorzuweisen hat. Und das wird aufgegeben. Wir wandeln uns von einer Rechtsgesellschaft in eine Sicherheitsgesellschaft und das geht über den Apparat der Militarisierung und das ist das Bedrohliche.

  • Frontal21: Nun wird ja immer wieder gesagt, die terroristische Bedrohung sei so groß, das wir jetzt neue Maßnahmen wie Rasterfahndung und die Online-Durchsuchung brauchen, dass jeder Passinhaber, also jeder, biometrisch Vermessne, also für die Fahndung erfassbar ist. Was heißt das für den Rechtsstaat, wenn wir präventiv jeden verdächtigen?

    Prof Albrecht: Der Rechtsstaat ist mitten drin in der Auflösung, weil es eine Herstellung von Sicherheit in dem Maße, wie es der Politik vorschwebt nicht gibt. Wenn man diese Sicherheit herstellt, hat man die Staatssicherheit und die haben wir in der DDR abgeschafft und nun bekommt die Bundesrepublik noch ein schlimmeres, als das was abgeschafft wurde. Das ist ein Wahnsinn der die Politik im Grunde beherrscht, die Politik sucht nach Mitteln um zu zeigen, was sie kann und dabei vernichtet sie den Rechtsstaat und das ist im Grunde das Verbrechen.

  • Frontal21: Wie vertragen sich die Maßnahmen zur Gefahrenabwehr, die seit vielen Jahren in die Länderpolizeigesetze einfließen, mit den Grundsätzen, die das Bundesverfassungsgericht 1983 beim Volkszählungsurteil und 2004 beim Urteil zum großen Lauschangriff getroffen hat?

    Prof Albrecht: Die Staatsgewalten spielen verrückt in unserer Gesellschaft. Die Exekutive hat eine derartige Dominanz, dass diese paar Richter in Karlsruhe im Grunde an die Wand gedrückt werden. Und das ist der echte Verfassungsbruch. Das die Politik sich nicht daran gewöhnt, wenn das Verfassungsgericht eine Aussage macht, sich daran zu halten, sondern das Ding umzudrehen. Nehmen sie das jetzt mit dem Beispiel des Luftsicherheitsgesetzes. Nachdem das Verfassungsgericht die Menschenwürde an erste Stelle gestellt hat, kommt Herr Schäuble mit dem Konterbegriff eines „Quasi Verteidigungsfalles“. Daran sehen sie wieder, dass die Militarisierung uns alle in den Strudel reißt und das Recht vernichtet.

  • Frontal21: Gerichte wie der Bundesgerichtshof oder auch der wissenschaftliche Dienst des Bundestages sagen ja immer wieder, die Gesetzesvorhaben, die jetzt geplant sind, Vorratsdatenspeicherung, Online-Durchsuchung, sind kaum mit der Verfassung in Einklang zu bringen. Wie bewerten sie den Versuch der Politik in diesem Spannungsfeld etwas durchzusetzen, was Gerichte und Wissenschaftler als verfassungswidrig ansehen?

    Prof Albrecht: Das ist die Allmacht der Exekutive, die Exekutive gewöhnt sich daran alles zu schlucken in unserem Staat. Das Recht, die Legislative und auch alle Prinzipien der Verfassung. Und das ist eine neue Entwicklung, eine neue Qualität, die dem besonnenen Bürger und dem Rechtslehrer große Sorge macht, denn wenn die Politik das Recht verliert, dann verliert sie ihre Berechtigungsgrundlage, ihre Legitimation und dann spielt nicht mehr das Recht die Rolle auf der Welt, sondern das Recht des stärkeren und da sollten wir uns nicht beteiligen, das müssen andere machen.

  • Frontal21: Die Daten jeder Festplatte und alle Telefonate sollen polizeilich und für die Geheimdienste benutzbar sein. Wie schwer wiegt dieser Eingriff? Was bedeutet das für unsere Verfassung?

    Prof Albrecht: Die moderne Welt kennt viele Formen der Unfreiheit. Schon Feuerbach [? Name recht unverständlich] hat gesagt, man könnte eigentlich 80% der Bevölkerung in Ketten legen, das wäre besser. Und dann hat er ein neues Strafrecht erfunden. Und so ähnlich sind wir heute dran. Vor einer scheinbaren Gefahr soll die Gesellschaft ihre gesamte Freiheit aufgeben. Und das ist eine Umkehrung dessen, was uns eigentlich unser Leben und unsere Demokratie wert ist. Diese Freiheitsaufgabe ist gleichzeitig der Sicherheitsstaat und damit geht die Sache über die Wupper.

[Nachtrag: 10.05.2007 12:15]
Hier noch der Link zu dem Bericht von Frontal21, in dem das Interview auftaucht.

Sicherheit und Überwachung – Standortbestimmung eines Rechtsstaates

Sicherheit und Überwachung, zwei Begriffe die in den letzten Wochen bei einigen wie ein rotes Tuch wirken, so als seien die Begriffe böse und ein Grundübel. Dabei ist dem natürlich nicht so. Ich habe nichts gegen Sicherheit und auch nichts gegen Überwachung, selbst Sicherheit als Begründung für Überwachung finde ich in Ordnung. Zumindest bis zu einem gewissen Maße, dieses ist aber mit Systemen wie der Vorratsdatenspeicherung, dem Bundestrojaner, dem Umwidmen der Mautbrücken, den Änderungen im Passgesetz und den anderen Ideen des Schäublekatalogs deutlich überschritten.

Ich lebe gerne in Deutschland, einem Land in dem ich mich sicher fühle. Ich kann mir sicher sein, dass das Wasser läuft, wenn ich den Hahn aufdrehe, die Polizei kommt, wenn ich sie rufe und ich mit der U-Bahn fahren kann ohne mich fürchten zu müssen.
Ich lebe gerne in einem Land, in dem ich 30 Euro jährlich für einen Berechtigungsausweis zahlen muss, um vor meiner Haustüre parken zu dürfen (ohne Ausweis kostets 1 Euro/Stunde) und dann auch 1-2 mal täglich eine Politesse die Straße entlang läuft, um zu überwachen, ob auch alle einen Berechtigungsausweis oder einen Parkschein haben. Ich finde es gut, dass in Deutschland Lebensmittelprüfer überwachen, ob in den Restaurants und Imbissen alles mit rechten Dingen zu geht. Ich finde es sogar gut, dass Radarfallen, meiner Meinung nach viel zu wenige, aufgestellt werden, obwohl ich selbst durchaus mal zu schnell dran bin.
Vor allem aber lebe ich gerne in einem Land, in dem ich das Gefühl habe, dass sich die Staatsmacht an die eigenen Gesetze hält. Und hier ist jetzt der Knackpunkt, denn in Deutschland ist das nicht mehr uneingeschränkt der Fall. Da werden rechtswidrig von einer Staatsanwaltschaft Daten abgefragt (Operation Mikado), Computer durch Nachrichtendiensten ausspioniert und Grundrechte geschliffen. Da fordern Politiker den Einsatz der Bundeswehr im inneren, versuchen den Bundespräsidenten zu erpressen und verunglimpfen ganze Bevölkerungsgruppen. Die Verhältnismässigkeiten stimmen hier einfach nicht mehr.

Die Terroranschläge vom 11.09.2001 in den USA, 11.03.2004 in Madrid und 07.07.2005 in London waren grausam und schlimm. Die Wiederholung und Nachahmung muss verhindert werden, dabei dürfen aber keine Gesetze gebrochen und willkürlich verändert werden. Präventiv einen Polizeistaat zu errichten, in dem sich alles dem Mantra „Sicherheit durch Überwachung“ unterzuordnen hat wird vielleicht Verbrechen und Terrorismus verhindern, aber mit Sicherheit auch die Freiheit. Die staatlichen Kräfte dürfen sich nicht der gleichen Mittel bemächtigen, wie es die Terroristen tun!

Ich unterstelle der aktuellen Regierung nicht, dass sie mir böses will. Ich unterstelle ihr auch nicht, dass sie all diese Sicherheitsmaßnahmen gegen mich richten wird. Ich kann aber nicht in die Zukunft sehen, wer denn zukünftig in der Regierung sitzen und was diese tun wird. Sind die Mittel aber erst mal da, dann werden sie auch genutzt werden, das Beispiel der LKW-Maut-Brücken beweist es.