18. Juni 2007 — Die Welt wie sie sich dreht |
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Das Ladenschlussgesetz ist ein schönes Beispiel für übermäßige Regulierung. Laut Wikipedia war es bis 1891 üblich, dass Geschäfte an sieben Tagen in der Woche von 5 bis 23 Uhr geöffnet hatten. Zuerst wurden nur die Sonntage, schließlich ab 1900 auf die Werktage reguliert.
Letztes Jahr wurde im Rahmen der Föderalismusreform die Gesetzgebungskompetenz an die Länder übertragen, was nun zu dem wundervollen Flickenteppich führt, den wir auch schon in vielen anderen Bereichen zu beklagen haben.
In Bremen trat zum 01.04.07 eine Liberalisierung in Kraft, die von Montag bis Samstag die Öffnungszeiten frei gibt. Der Shopblogger macht nun von dieser Möglichkeit Gebrauch und öffnet ab heute seinen Supermarkt 24 Stunden an sechs Tagen pro Woche.
Es wird spannend zu sehen sein, wie die Ergebnisse sein werden. Solange er der einzige Laden in der Umgebung ist, der Nachts offen hat, werden die Kunden ihm wohl die Bude einrennen. Wenn ich alleine an all die Nachts arbeitenden Menschen denke (Rettungsdienst, Taxi, Feuerwehr), die mobil sind und unregelmäßige Pausenzeiten haben, sehe ich schon Schlangen an des Shopbloggers Kassen stehen…
Wirtschaftlich wird sich das Angebot rentieren, denke ich. In den Nachtstunden werden manche Betriebskosten höher, als am Tage sein, so zB die Strom- (für Licht) und Personalkosten. Andererseits fallen Kosten wie Miete oder Stromkosten (Kühltruhen) weg, da diese Kosten wie bisher Tags abbezahlt werden. Folgende Fragen stellen sich also:
- Wie hoch ist der Nachtzuschlag des Personals?
- Wie viel Prozent des Tagesumsatzes verlagern sich in die Nachtstunden?
- Wie hoch wird der Anteil in den Nachtstunden nach Abzug des kanibalisierten Tagesumsatzes sein?
Die antworten wird uns der Shopblogger aber wohl kaum im Detail geben…
16. Juni 2007 — Die Welt wie sie sich dreht |
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Historisches
In der Frühzeit des Internets, als es noch keine Suchmaschinen gab, fand man auf jeder Webseite eine lange Liste an Links, die der Autor der Webseite empfahl. Zusätzlich hatte jeder Internetnutzer eine lange, lange, lange Liste an Bookmarks in seinem Browser. Neue Webseiten brauchen Wochen bis Monate, bevor sich auch nur ein Nutzer darauf einfand, da URLs mehr oder weniger nur per Werbung und Mund-zu-Mund-Propaganda weiter getragen werden konnten.
Doch dann kam Yahoo. Also ich irgendwann Ende 1995 zum ersten mal Yahoo.com entdeckte, war es für mich wie eine Offenbarung:
Ein Katalog nach Stichworten sortierter Webseiten
Endlich konnte man drauf los surfen und einfach mal gucken, was es in der Welt so gab.
10 Jahre später spielte Yahoo für die meisten Internetnutzer keine Rolle mehr. Yahoo hatte den Anschluss verpasst, Google war das Mittel der Wahl. Yahoo benutzte man nur noch da, wo man es nicht bemerkte, Flickr oder del.icio.us zum Beispiel.
Aktuell
Heute, 12 Jahre nach Gründung, ist Yahoo wieder in aller Munde. Zumindest was die deutsche Blogosphäre angeht. Dafür gibt es drei Gründe:
- Chinesische Dissidenten und deren Festnahme
- Adical und die Blutblogger
- Flickr und die Zensur
Aber der Reihe nach.
Vor fast 5 Jahren wurde Wang Xiaoning in China festgenommen. 2003 wurde er wegen Landesverrat verurteilt. Dem ging voraus, dass Wang 2001 von einem Yahoo E-Mail-Account an eine anonyme Usegroup geschrieben hatte. Yahoo hat dann 2002 die Identität Wangs den chinesischen Behörden bekanntgegeben. Im der Zeit von 2002-2004 hat Yahoo die Identitäten von mindestens drei weiteren Yahoo-Nutzern an die Behörden Chinas geliefert, in allen vier Fällen wurden langjährige Haftstrafen verhängt. Am 18.04.2007 reichte Wang Xiaonings Frau in den USA Klage gegen Yahoo ein.
Adical ist ein recht junger Werbevermarkter aus Deutschland, der sich besonders an die Blogosphäre wendet, aus der Adical auch erwachsen ist. Beiden bisher drei vermarkteten Kampagnen handelt es sich um Cisco, Casio und Yahoo. Insbesondere die Kampagnen von Cisco und Yahoo (seit 11.06.2007) stehen im Sperrfeuer der Kritik, unterstützen beide Firmen doch die chinesische Regierung dabei, den chinesischen Bürgern einen von allen für die chinesische Regierung missliebigen Inhalten gesäubertes Internet anzubieten.
Flickr ist ein 2004 gegründeter mit Social Tagging gepaarter Foto-Sharing-Dienst aus den USA, der Anfang 2005 von Yahoo gekauft wurde. Seit März fordert Flickr seine Nutzer auf, ihre Fotos in eine der drei Kategorien “Safe”, “Moderate” oder “Restricted” einzuordnen, um zu verhindern, dass zB Kinder oder Großmütter (sic!) ihnen unangemessene Inhalte zu sehen bekommen. Dienstag schaltete Flickr weltweit verschiedene Sprachversionen frei, nachdem zuvor der Dienst nur auf Englisch verfügbar war. Im Zuge der Sprachumstellung wurden zahlreiche Veränderungen an Flickr vorgenommen, um es den Gesetzen der Herkunftsländer der Nutzer anzupassen. Dazu wurden die Nutzer anhand der in ihrer Yahoo!ID gespeicherten Informationen sortiert. Für deutsche Nutzer bedeutet das nun, dass sämtliche Bilder die “Moderate” oder “Restricted” eingestuft sind, nicht mehr angezeigt werden. Dabei spielt das Alter der Nutzer keine Rolle und es gibt keine Möglichkeit den eigenen Account umzustellen, um wieder die Freie Bilderwahl zu haben.
Soweit die Ausgangslage. Yahoo unterstützt also Zensur in China und sorgt dort dafür, dass nicht regierungstreue Nutzer weggesperrt werden, schaltete Werbung in der Deutschen Blogosphäre und zensiert anschließend einen gerne genutzten Fotodienst.
Wie blöd kann man eigentlich sein, frage ich die Manager von Yahoo. Wie oft muss man mit dem Kopf gegen die Wand gerannt sein, um in einem Zeitraum, in dem das Firmenimage gerade gewaltig gelitten hat (Anzeige der Ehefrau Wang Xiaonings), zuerst Werbung in der Blogosphäre zu schalten (wo doch jede Adical-Werbekampagne große Kritik hervorruft) und dann den Bloggern auch noch ihre Fotos wegnimmt?
Ich weiß, ich weiß. Yahoo ist ein großes, weltweites Unternehmen. Da müssen die deutschen Manager nichts von der Anzeige in den USA mitbekommen haben. Da müssen die Flickr-Programmierer nicht in Deutschland nachfragen, ob der Zeitpunkt für Zensur gerade passt (abgesehen davon, dass er nie passt). Aber diese Häufung schlechter Publicity ist bemerkenswert und mich würde nicht wundern, wenn da Köpfe rollen werden.
Zukunftsausblick
Die Blogosphäre ist in Aufruhr, Yahoo’s Image angekratzt, aber welche Auswirkungen wird es haben? Das kommt ganz darauf an.
Die Blogosphäre liebt Skandale. Themen, die polarisieren und besonders Themen, bei denen es jemanden ungestraft zu verprügeln gibt, sind gut dazu geeignet, seine eigene Meinung kund zu tun. Also läuft die Blogosphäre heiß, da zum Thema Yahoo jeder etwas sagen kann, jeder hat schon mal Yahoo benutzt und kann darum eigene Erfahrungen mitteilen, warum er Yahoo noch nie leiden konnte bzw warum er Yahoo liebte und nun bitter enttäuscht ist. Aber nicht nur das: Man kann gegen Yahoo sogar aktiv etwas unternehmen!
Yahoo hat bei keinem seiner Dienste ein Alleinstellungsmerkmal. Es gibt neben Flickr andere Foto-Sharing-Dienste, del.icio.us hat in Mr.Wong eine deutsche Copycat als Konkurrenz und Yahoo-Mail braucht sowieso niemand (vgl AOL-E-Mail-Adressen). In den nächsten Tagen wird das Thema Yahoo immer weiter am köcheln bleiben. Man wird sich darüber unterhalten, welche alternativen es zu den Yahoo-Diensten gibt, dann wird man sich darüber unterhalten, wie man seine Daten aus Yahoo heraus bekommt und dann wie man sie in die neuen Dienste integriert. Zwei Tage später kann man dann ein erstes Fazit ziehen, warum der neue Dienst so wieso viel besser als Yahoo’s Dienste ist bzw was der neue Dienst alles von Yahoo kopieren soll.
Alles in allem zwar ein Rückschlag für Yahoo, aber nur ein Kleiner, schließlich betrifft er ja nur Deutschland. Und auch nur die Blogosphäre.
Interessant wird es allerdings, wenn die großen Zeitungen nächste Woche keine Skandalgeschichten aus anderen Ecken der Welt zu fressen bekommen. Yahoo ist schließlich kein kleines Startup, wenn man da ordentlich drauf schlagen will hat jede Zeitungsrubrik etwas davon. Der Technik-Teil diskutiert alternative Dienste, der Politik-Teil die Menschenrechtssituation in China, das Feuilleton den Niedergang des Internets und der Wirtschaftsteil die Auswirkungen auf Yahoos Umsatz und die Internetbranche allgemein.
Hat Yahoo also Pech, werden sehr, sehr viele deutsche von der Geschichte mitbekommen und Yahoo’s Image wird leiden. Und da man auch auf der Arbeit oder in der Krabbelgruppe darüber diskutieren kann, welcher Dienstleister besser, etc, ist, werden viele Leute Yahoo den Rücken zuwenden. Und dann könnten sich Zeitungen aus dem Ausland dafür interessieren.
Yahoo könnte mit einem blauen Auge davon kommen, wenn sie schnell reagieren und Flickr wieder frei schalten.
Yahoo könnte mit zwei blauen Augen davon kommen, wenn sich heute oder bis morgen Mittag ein größerer Skandal oder eine Naturkatastrophe passiert.
Yahoo könnte mit zwei blauen Augen, einigen Tiefschlägen, einer gebrochenen Nase von dannen wanken, falls sich die Zeitungen für das Thema interessieren sollten.
Was sollte Yahoo sofort tun?
Yahoo sollte ganz groß zu Kreuze kriechen.
Als aller erstes muss sofort ein Blogbeitrag her, in den sich Flickr bei den Nutzern entschuldigt und ankündigt, die Zensurmaßnahmen innerhalb kürzester Zeit aufzuheben.
Dann muss Flickr einen schuldigen präsentieren und ihn köpfen. Die Blogosphäre steht auf Blut, außerdem kann sie sich dann selbstbeweihräuchern und ihren Sieg über ein Weltunternehmen feiern.
Dann sollte Flickr die Zensurmaßnahmen abschalten.
Yahoo sollte sich groß entschuldigen, sämtliche PR Fuzzis, die sie haben nach Deutschland karren und hier bei den auf Yahoo werbenden Unternehmen und bei der Medienbranche in jeden Hintern kriechen, der sich auftreiben lässt.
Mit etwas Glück gewinnt dann noch der Formel 1 Debütant Sebastian Vettel in den USA das Rennen und der PR-Supergau ist abgewandt.
Man wird sehen…
3. Juni 2007 — Die Welt wie sie sich dreht |
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Ich habe mich bisher aus der ganzen G8 Geschichte raus gehalten.
Ich habe mit der G8 kein Problem, auch mit den Gegnern nicht, solange sie sich wie zivilisierte Menschen benehmen.
Ich war 1998 in Bonn bei der Bundesdelegiertenkonferenz von Bündnis90/Die Grünen, auf der die Koalition mit der SPD beschlossen wurde.
Ich war einer der rund zehn, die dagegen gestimmt haben.
Ich war der einzige, der auf dem Podium Redezeit bekam und vor der Koalition warnte, warnte, dass wir über den Koalitionstisch gezogen würden.
Ich war zuvor aber auch auf einer Demo nahe der Beethovenhalle, bei der ich nur kurz vor knapp flüchten konnte. Kurz vor knapp bevor Pflastersteine gegen die Polizei flogen. Wäre ich damals nur 10 Minuten später aufgebrochen, wäre ich in der eingekesselten Gruppe gestanden.
Bei den Szenen, die heute aus Rostock zu sehen waren, packt mich die blanke Wut. Aber lest am besten Farlions Artikel Autonome sind Idioten, dem ich bis auf den vorletzten Absatz (“Schade um jeden Schlag, der vorbei geht…”) absolut zustimmen kann.
Bis sich die Lage nach dem G8 Gipfel beruhigt hat, wir harte Fakten und Hintergründe kennen, werde ich zu den ganzen Geschehnissen nichts sagen. Ich habe keine Quellen aus Rostock und Umgebung, müsste daher von anderen abschreiben und mich auf deren Quellen verlassen. Das mag ich nicht. Da ist mir zu viel Dampf unterm Deckel, als dass ich es riskieren möchte, an der falschen Stelle wegen mangelnder Informationen das Ventil zu öffnen.
2. Juni 2007 — Nur ums mal gesagt zu haben |
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Last.fm ist ein Web2.0 Unternehmen, dass den Usern Musik vorschlägt, die ähnlich zu der Musik ist, die die User hören. Die User installieren dazu ein Programm auf ihrem Rechner, das im Hintergrund läuft und fleißig jedes Musikstück protokolliert, das der User hört. Da Last.fm viele Musikstücke mit Tags versehen hat, sind sie in der Lage dem User Musik vorschlagen zu können, die ähnlich zu der sind, die sie hören.
CBS ist ein Mediengigant aus den USA und Schwesterkonzern von Viacom, Hauptanteilseigner ist National Amusements. Die genauen Besitzverhältnisse sind etwas kompliziert:
- In den 70er spaltete CBS einen Teil von sich ab und nannte ihn Viacom
- 2000 kaufte Viacom die Muttergesellschaft CBS
- 2006 benannte sich Viacom in CBS um und spaltete einen Teil ab und nannte ihn Viacom
Oder so ähnlich. Ganz hab ichs ned begriffen.
Vergangenen Mittwoch hat nun CBS Last.fm für 280 Millionen Dollar gekauft.
Unter Datenschutz Gesichtspunkten ist Last.fm natürlich eine Katastrophe, denn hier kommen wieder einmal Kiloweise private Informationen in die Öffentlichkeit. Vor drei Wochen habe ich mich trotzdem angemeldet, einfach ums mal auszuprobieren. Ganz nett, aber nicht der Hammer imho.
Nachdem nun CBS Last.fm gekauft hat, habe ich meinen Benutzeraccount gelöscht, denn meine Daten in den Händen der Leute, die zB YouTube verklagt haben, möchte ich nur ungern sehen.
Bei meinem Musikgeschmack muss ich eh einfach nur auf Flohmärkten nach 70er und 80er Jahre Rock und Pop suchen.
30. April 2007 — Nur ums mal gesagt zu haben |
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Die Telefonica schon seit 2006 das zweit größte Mobilfunkunternehmen Europas. Uns Deutschen fällt das aber nicht auf, denn in Deutschland ist die Telefonica im Mobilfunkmarkt unter dem Namen O2 bekannt und damit der kleinste der vier Mobilfunker. Unter dem eigenen Firmennamen tritt sie in Deutschland nur im Internetzugangsgeschäft und auch dort nicht im Endkundenbereich auf.
Diese Telefonica hat sich mit einigen italienischen Unternehmen die Telecom Italia gekauft. Der Telecom Italia wiederum gehört das Unternehmen HanseNet, dass wir unter dem Produktnamen Alice kennen. Alice ist inzwischen Deutschlandweit verfügbar, aber da HanseNet nicht überall mit eigener Technik vor Ort ist, stützen sie sich schon lange auf die Technik von Telefonica und von QSC. Somit ist die Telefonica nun auch im Endkundengeschäft mit einer starken Marke tätig.
Die Frage, die sich mir nun stellt: Wie lange braucht die Telefonica noch die Zugänge von QSC? Und was passiert mit QSC, wenn sie den Großkunden HanseNet verlieren sollten?
Warum interessiert mich das? Ich bin QSC Kunde und sehr zufrieden. Ich zahle 30 Euro im Monat für meine DSL-Leitung und wenn ich ein Problem habe (ziemlich genau alle 1 1/2 Jahre einmal), dann bin ich maximal 5 Minuten in der Warteschlange und das Problem wird dank der immer kompetenten Mitarbeiter schnell gelöst. Der Grund dürfte daran liegen, dass ich wie alle QSC Kunden als Geschäftskunde behandelt werde und die Mitarbeiter sich dementsprechend bemühen. Nun befürchte ich aber, dass HanseNet zunehmend weniger das QSC Netz nutzen wird und es somit QSC schlechter gehen wird und diese Einsparungen vornehmen müssten, vermutlich wie üblich zu erst beim Service.
Das fände ich schade!
21. Februar 2007 — Internet |
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Second Life, zur Zeit in aller Munde, was soll der Hype?
Ende 2004, Anfang 2005 war ich mal wieder auf der Suche nach einem neuen Online-Spiel. WoW war noch nicht auf dem Markt, von Browser-Games hatte ich gerade die Nase voll, da stolperte ich über ein Spiel namens “Second Life”. Die Beschreibung hörte sich dann schon etwas seltsam an, weder der Client noch die Nutzung kosteten etwas, warum sollte eine Firma so etwas anbieten? Also erstellte ich mir einen Account und eine Spielfigur und begann die Virtuelle Welt zu erforschen, doch schon nach einer durchzockten Nacht hatte ich am nächsten Morgen keine Lust mehr einzuloggen. Warum das? Nun, aus meiner Sicht war Second Life nur ein 3D Chat Client. Man konnte umher wandern, umher fliegen, mit anderen Charakteren chatten und das wars dann auch schon. Die Tatsache, daß man echtes Geld in inGame Währung wechseln konnte, interessierte mich nicht, va da es imho nichts interessantes zu Kaufen gab.
Nun, diese Erfahrungen sind über 2 Jahre her, Second Life hat sich weiter entwickelt, einen riesen Medienhype generiert und so war es an der Zeit sich nochmal umzusehen. Und was stelle ich fest? Second Life ist immer noch nur ein 3D Chat Client. Und nichts weiter. Es gibt keine Missionen zu erfüllen, keine Aufgaben zu erledigen, sondern nur ödes Chatten mit einem Haufen Newbies, die Millionäre werden wollen.
Millionäre? Ja, echte Dollar-Millionäre wollen sie werden. Die Idee ist bestechend einfach. Jeder Nutzer kann jederzeit echte US-Dollar gegen Linden-Dollar, die inGame Währung, umtauschen. Und vor allem auch wieder Linden-Dollar in US-Dollar. Falls also jemand einen Geldschein im Spiel finden sollte, kann er ihn in reales Geld umtauschen.
Aber woher sollte das Geld kommen? Warum sollte man echtes Geld in Linden-Dollar tauschen? Zu Beginn des Spiels kann man seinen Charakter, seinen Avatar basteln. Man kann sein Äusseres bis ins letzte Detail festlegen und ihm allerlei Klamotten anziehen. Doch alles in allem sieht nun jeder Charakter ähnlich aus. Um sich nun zu differenzieren kann man sich genau so oberflächlich wie in der Realen Welt durch andersartige Kleidungsstücke zum Individuum differenzieren. Um aber an ein solches Kleidungsstück zu kommen, muß man es sich kaufen. Und dafür tauscht man dann Geld. In anderen Spielen wie zB World of Warcraft würde man im Spiel losziehen und Geld verdienen, indem man zB Blumen pflückt oder seltene Gesteine sammelt und verkauft. Hier hat man eine wirkliche, eine echte, eine reale “Virtual Economy” (schöner Wortwitz). In Second Life aber lässt sich kein Geld erarbeiten, kein Geld verdienen. Second Life ist darum keine wirkliche Economy, sondern eher wie die Börse aufgebaut. Der Wert eines Gegenstandes bzw einer Aktie bemisst sich nicht an dem Sach- oder Materialwert des Gegenstandes, sondern rein nach dem, was die Konsumenten (Spieler bzw Anleger) bereit sind für den Gegenstand zu bezahlen. In beiden Fällen muß man aber erst von aussen Geld zuführen, um mit diesem agieren zu können.
Wie wird man nun Millionär? Auch den linden Labs, den Erschaffern von Second Life, war klar, daß man den Nutzern möglichst viele Möglichkeiten geben musste, um ihr umgetauschtes Geld wieder los zu werden. Also erschufen sie Kleider, Schmuck, Fahrzeuge, Accessoirs ( zB Bierkrücke mit Bier) oder Immobilien. Die Nutzer kauften diese Gegenstände und somit wanderte der entsprechende Dollarwert in den Besitz von Linden Labs. So konnten sie sich finanzieren. Um nun den Nutzern etwas zu tun zu geben und da Linden Labs keine all zu große Firma mit viel Manpower war, gaben sie den Nutzern die Möglichkeit selbst Kleidungsstücke, Schmuck und Accessoirs zu entwerfen, erstellen und zu handeln. So konnten nun die Nutzer im Spiel Geld generieren. Sie produzierten Waren und handelten mit ihnen. Nicht jeder ist ein guter Designer oder hat Lust, sein Gehirnschmalz für ein paar bunte Pixel zu verschwenden. So entwickelte sich schnell auch das Älteste Gewerbe der Welt in Second Life. Zwar kann man keine reale Befriedigung erzeugen, aber das ist ja auch beim Telefonsex kein Hinderungsgrund. Millionär wird man so aber nicht. Millionär wird, wie im echten Leben, nur der, der etwas wagt, der ein Risiko eingeht. Und so wurden die jenigen Millionäre, die sich dem Wagnis des Immobilienhandels hingaben.
Immobilienhandel in einer Virtuellen Welt? Ja, denn auch das virtuelle Auto braucht einen Parkplatz. Linden Labs vermietet inGame Grundstücke für eine monatliche Gebühr, verkauft aber auch ganze Inseln mit eine Fläche von 65,536 m^2 für 1.675 US-Dollar zzgl einer Monatsmiete von 295 US-Dollar. Gewinn generiert man nun dadurch, indem man sich so eine Insel kauft, sie parzelliert und diese Parzellen weitervermietet. Da man eine Insel in 128 Parzellen zu 512 m^2 aufteilen kann und Linden Labs selbst je 512 m^2 Parzelle 5 US-Dollar Miete für die ihrigen Flächen kassiert, kann man, wenn man die Parzellen für 4 Dollar vermietet bis zu 217 US-Dollar je Monat Gewinn machen. Gut, man wird sicher etwas Fläche für Straßen etc reservieren müssen und evtl nicht alle Parzellen vermieten können, aber das System wird so klar.
Im Laufe des Jahres 2006 wurde Second Life drei Jahre alt, knackte endlich die Nutzergrenze von 1 Million Nutzern und schaffte es dank der ersten durch das Spiel geschaffenen Millionärin auf zahlreiche Zeitungscover. Angeblich wurde noch im selben Jahr die 2 Millionen Nutzergrenze gesprengt. Second Life ist somit knapp 1/3 so groß wie World of Warcraft. Woher kommt nun aber die viel größere Mediencoverage? Der Hauptgrund liegt wohl daran, daß Blizzard sehr genau kontrolliert, was in WoW geschieht und durch die Quests und Instanzen einen deutlichen Fokus auf den spielerischen Aspekt legt. Second Life besitzt aber einen solchen nicht und muß sich daher auf den hype durch das “Wirtschaftssystem” verlassen. Andererseits ist SL kostenfrei für den First-Time-User und Ermangelungs des Spielcharakters leichter als “ernstes” System zu vermarkten. Hochschulen versuchen sich durch Vorlesungen im virtuellen Raum ein modernes Image zu geben, Unternehmen können ungestört Werbung erzeugen (in anderen Spielen gäbe es einen Aufschrei wegen Product-Placement…) und die Mafia kann in aller Ruhe Geld waschen.
Was ist nun der Haken an SL, das hört sich doch alles ganz toll an. Neben den üblichen Risiken jedes Online-Spiels (Sucht, Realitätsverlust, etc) die nur die Spieler betreffen, gibt es nun ganz gewaltige mögliche Auswirkungen auf die reale Welt. Unternehmen wie Nissan oder adidas verkaufen virtuelle Autos oder Sportschuhe in Second Life und bisher läuft dieser Handel an den Regularien und Steuersystemen der Realen Welt vorbei. Nun könnte man meinen, daß die paar Millionen US-Dollar, die pro Monat in SL umgesetzt werden kein großes Problem darstellen. Momentan spricht man von 1 Mio pro Tag, also rund 365 Mio im Jahr. Wenn man aber etwas in die Zukunft schaut, erkennt man schnell, daß es zum ersten mal in der jüngeren Geschichte problemlos und ungefährlich möglich ist, Geld über Ländergrenzen hinweg unversteuert und unkontrolliert zu verschieben.
Ein Beispiel: Unternehmen D wird in Deutschland gegründet und hat in Deutschland seinen Hauptsitz. Das Unternehmen gründet eine Tochterfirma in einem Steuerparadies S. Das Geschäft floriert und D macht große Gewinne. S und D Firmen gründen eine Niederlassung in SL und können die Kosten dafür als Investition oder Werbung von der Steuer absetzen. S verkauft in SL Klopapier zum Preis von 300 Mio Linden-Dollar (rund 1 Mio US-Dollar) je Blatt. D kauft nun fleissig dieses Klopapier und drücken so ihren Gewinn auf 0. Während dessen kann S ganz gemütlich das Geld aus SL abziehen und dank dem Sitz im Steuerparadies nahezu unversteuert an D zurückgeben. Die Gewinne von S sind schon im Steuerparadies versteuert und darum muß D sie nicht weiter versteuern. Soweit, so lustig. Kauft nun aber D weiter Klopapier, wandert der Gewinn in den roten Bereich und D bekommt bereits gezahlte Mehrwertsteuer zurück. So kann man recht einfach die Steuerlast eines Unternehmens auf Null senken und den Markt mit niedrigen Preisen begeistern.
Aber ist das Rechtens? Ich bin leider kein Steuerberater und weiß es nicht. Der Gedanke, daß es rechtens ist, macht mir aber Angst.
Ganz abgesehen davon lässt sich so wohl sehr einfach Geld im großen Stil waschen und ich glaube kaum, daß Linden Labs die Transaktionen protokolliert…
Ideen und Inspirationen von: Carsten, Capitalism 2.0, _notizen aus der Provinz
13. Februar 2007 — Unterhaltung |
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Ich weiß ja nicht aus welche Sprache Daniel AJ Sokolov spricht, aber anscheinend ist er der Autor eines Artikels, den jk von der Online-Redaktion der c’t übersetzt hat. Laut der Übersetzung ist die Mobiltelekommunikationsmesse 3GSM in Barcelona recht angenehm, denn:
“… bei T-Mobile International sorgt sie für freundliche Nasenlöcher“, die “click boom user experience“